Schwere und lange Dürreperioden haben Westafrika in der jüngsten Geschichte oft heimgesucht – Versicherungen gegen Ernteausfälle – Was ist aus dieser Idee geworden? Wer weiß mehr?

Hochgeladen am 27.04.2011

Schwere und lange Dürreperioden haben Westafrika in der jüngsten Geschichte oft heimgesucht. Für Kleinbauern in Ghana bedeuteten sie meist den finanziellen Ruin. Herkömmliche Versicherungen gegen Ernteausfälle waren bislang wenig praktikabel und teuer, es fehlten verlässliche Wetterdaten, um Versicherungsschäden nachzuweisen. Das will die ghanaische Regierung jetzt ändern. Zusammen mit dem nationalen Versicherungsverband bietet sie Versicherungen an, die sich an einheitlichen Daten orientieren. Die Informationen liefern vollautomatische Wetterstationen, die von den Versicherungen anerkannt sind. Das fördert die Verlässlichkeit und senkt die Kosten für die versicherten Bauern.

 

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Ghana sind schon jetzt zu spüren – Ghana ist am weltweiten CO2 Ausstoß nur mit einem sehr geringen Anteil beteiligt. Rund 700 Kilo Treibhausgase produzieren GhanaerInnen pro Kopf und Jahr.

Klimawandel in Ghana
Ghana ist am weltweiten CO2 Ausstoß nur mit einem sehr geringen Anteil beteiligt. Rund 700 Kilo Treibhausgase produzieren GhanaerInnen pro Kopf und Jahr.

Aber die Auswirkungen des Klimawandels auf Ghana sind schon jetzt zu spüren:
der Wasserpegel des wichtigsten Stausees sinkt zunehmend. Die Wassermengen im Volta-Stausee oberhalb des Akasombo-Staudamms sind seit Mitte der 1990er-Jahre gegenüber seiner Fertigstellung 1965 deutlich zurückgegangen. Es war zwar schon zur Zeit der Aufstauung des Volta-Sees (durch den Akosombo-Staudamm) vorauszusehen, dass durch die ständige tropische Sonneneinstrahlung Verdunstungen gigantischen Ausmaßes entstehen würden, aber diese wurde durch die globale Erwärmung noch verstärkt. Ghana steckt seit 2006 in einer schweren Energiekrise.

Immer wieder fällt in Ghana der Strom aus, worunter sowohl die Bevölkerung und Einrichtungen wie Krankenhäuser als auch die produzierenden Betriebe und die Konjunktur leiden. Das Land muss die schwere Energiekrise lösen, um sich wirtschaftlich weiterzuentwickeln.

Im September und Oktober 2007 suchten heftige Regenfälle und folgenschwere Überschwemmungen die sonst trockene Sahelzone heim.
In Ghana war die ohnehin sehr verletzliche Zone im trockeneren Norden mit seinen Savannen stark betroffen. Zwanzig Menschen starben in den Fluten, 400 000 verloren ihr Obdach. Landwirte verloren ihre Ernte und zahlreiche Anbauflächen, Nahrungsmittelvorräte und Produktionsanlagen wurden überschwemmt. Häuser, Brücken, Schulen und Krankenhäuser sind durch das Wasser zerstört worden.

Hier eine Presse-Information von Modern Ghana als Aufruf an die Regierung auf die Klimaveränderung in Ghana zu reagieren: Ghana National CSO Youth Coalition on Climate Change

Weiterführende Informationen:
Detaillierte Darstellung der Auswirkungen des Klimawandels in Ghana von Sven Harmeling / Germanwatch

Ansteigende Meereswasserspiegel und schwere Stürme gefährden die Küstenregionen Ghanas.
Video des Stern

http://www.gesichter-afrikas.de/klima/klimawandel/ghana.html

Auswirkungen des Klimawandel in Ghana *

Entwurf 22.01.2008 * Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 1.1. Naturräumliche Beschreibung 1.2. Sozioökomische Struktur 2. Untersuchung einzelner Sektoren 2.1. Wasserressourcen 2.2. Landwirtschaft 2.2.1 Wurzel- und Knollenfrüchte 2.2.2 Kakaoproduktion 2.4. Fischerei 2.5. Menschliche Gesundheit 2.5.1 Ernährungssicherheit 2.5.2 Krankheiten 2.6. Energiesektor 1. Einleitung Der 4. Sachstandsbericht des IPCC von 2007 wies bereits darauf hin, „dass Afrika aufgrund von Mehrfachbelastungen und niedriger Anpassungskapazität einer der verwundbarsten Kontinente gegenüber Klimaschwankungen- oder Änderungen ist.“1 Dieses Papier stellt übersichtsartig die Auswirkungen des Klimawandels in Ghana dar. Hierzu wird untersucht inwieweit einzelne ausgewählte Sektoren von Klimaänderungen beeinträchtigt werden könnten. Auf Fragen der Anpassung an den Klimawandel kann aus Platzgründen nicht eingegangen werden. Als Quelle dienten im Wesentlichen die Berichte, die unter Federführung des „Netherlands Climate Assistance Programme“ und der Umweltschutzagentur Ghanas entstanden sind.2 1.1. Naturräumliche Beschreibung Die Republik Ghana liegt in Westafrika. Im Westen grenzt sie an die Cote d’Ivoire, im Norden an Burkina Faso und im Osten an Togo. An Ghanas Küste im Süden liegt der Golf von Guinea. Das tropische Klima ist heiß und trocken entlang der Südostküste, feucht entland der Südwestküste und trocken in den Savannen im Norden, wo wiederkehrende Dürren die Landwirtschaft stark belasten. Ghana besitzt ausgiebige mineralische Ressourcen. Im Norden ist vor allem die Desertfikation eines der Hauptprobleme, während der Süden dichte tropische Regenwälder besitzt. 1.2. Sozioökonomische Struktur In Ghana leben knapp 22,5 Millionen Menschen. Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von 602 $ (2006) wird Ghana als Entwicklungsland klassifiziert, hat im Vergleich zu seinen Nachbarstaaten aber einen höheren Grad an Wohlstand erreicht. Die Landwirtschaft und Viehhaltung beschäftigt 55% der erwerbsfähigen Bevölkerung. Überwiegend wird diese von Kleinbauern traditionell im Regenfeldanbau betrieben. 85% der 1,8 Millionen Farmen des Landes sind kleiner als 2 Hektar. Nur ungefähr 12% des Landes (28.680km²) sind anbaufähig bzw. werden bereits permanent landwirtschaftlich genutzt. Kakao ist das wichtigste „cash crop“ und wächst auf 40% des bepflanzten Landes. Kakao besitzt einen Anteil von 75% an den Agrarexporten. Andere wichtige Nutzpflanzen sind Ölpalmen, Kokosnusspalmen, Kautschuk, Kola und Kaffee. 1 IPCC (2007): Klimaänderung 2007. Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger. Bern/Wien/Berlin, S.27. 2 diese sind abrufbar unter: http://www.nlcap.net/countries/ghana/ 2. Untersuchung einzelner Sektoren 2.1. Wasserressourcen Ghanas Wasserressourcen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Obenflächen- und Grundwasserressourcen. Erstgenannte hängen vom Ausmaß und Abfluss der Flüsse ab und das Grundwasser von der Grundwasseranreicherung und den Kapazitäten des Grundwasserleiters. Aufgrund der zu erwartenden Temperaturerhöhung und weniger werdenden Niederschlägen durch den Klimawandel zeigen Simulationen eine Reduktion der Ströme zwischen 15-20% und 30-40% für die Jahre 2020 und 2050. Auch die Grundwassererneuerung wird vom Klimawandel betroffen sein. Für das Jahr 2020 wird eine Abnahme zwischen 5 und 22% erwarten. Bis zum Jahr 2050 wird sogar ein Rückgang zwischen 30 und 40% vorhergesagt. Erstaunlicherweise erwartet Ghanas Umweltschutzagentur keine Engpässe für den häuslichen und industriellen Wasserbedarf. Besonders für die landwirtschaftliche Bewässerung wird der Wasserbedarf ansteigen. Berechnungen zu Folge wird dieser aufgrund des Klimawandels um 40% bis zum Jahr 2020 und 150% bis 2050 für die feuchten Regionen ansteigen. Für die Regionen in der sudanesischen Savanne wird sich der Wasserbedarf in den entsprechenden Jahren jeweils um 150% und 1200% erhöhen. Aus sozioökonomischer kann eine verminderte Verfügbarkeit von Wasser Auswirkungen auf andere Lebensbereiche wie Gesundheit, Ernährung und Energie haben. Diese Bereiche werden im nachfolgenden beleuchtet. 2.1 Landwirtschaft 2.2.1 Wurzel- und Knollenfrüchte Die Landwirtschaft ist Ghanas Hauptbeschäftigungssektor. Für 60-70% der Bevölkerung trägt die Landwirtschaft zur Lebensexistenz bei. Zudem sind Wurzel- und Knollenfrüchte wie Maniok, Yam und Malanga wichtige Energielieferanten der täglichen Nahrung und stellen für die Ghanaer in den ländlichen Regionen die Grundnahrungsmittel da. Maniok alleine trägt zu 34% des Feldfruchtverzehrs pro Jahr bei. Maniok wird bis auf die Upper East Region in allen Landesteilen angebaut. Yam wird vor allem in den Regionen Brong Ahafo, Ashanti, Western, Eastern, Central, Northern and Upper West angepflanzt. Der Anbau von Malanga beschränkt sich auf die waldbewachsenen Regionen Western, Central, Eastern, Volta, Ashanti and Brong Ahafo. Der Klimawandel kann in mehrfacher Hinsicht Auswirkungen auf die Landwirtschaftsproduktivität haben. Klimaänderungen beeinträchtigen das Wachstum der Pflanzen, die Bodenqualität und Wasserressourcen, was besonders die Bauern belasten wird, die Wurzel- und Knollenfrüchte in Subsistenzwirtschaft anbauen. Geringere Ernten werden das Einkommen der besonders verwundbaren Bevölkerung verringern und das Risiko von Hunger erhöhen. Die Hauptstressfaktoren für die Knollen- und Wurzelfrüchte sind Dürren, Vernässung, Hitzewellen und extreme Sonneneinstrahlung. Klimawandelszenarien zeigen ein Ansteigen sowohl bei den Minimum- als auch bei den Maximumtemperaturen für alle Klimazonen Ghanas an. Die Szenarien projizieren eine mögliche Temperaturänderung zwischen 0.6, 2.0 and 4.0 für die Jahre 2020, 2050 und 2080. Wissenschaftler konnten eine positive Korrelation zwischen Temperatur und Ernteertrag der Wurzelfrüchte aufzeigen. Änderungen im Niederschlag werden je nach Klimazone unterschiedlich ausfallen, gesamtgesehen wird aber mit einer Abnahme von 1.1% bis 20.5% für die Jahre 2020 bis 2080 erwartet. Besonders drastisch werden die Niederschläge im Regenwald abnehmen. Für die Landwirtschaft ist in diesem Zusammenhang neben der Niederschlagsmenge auch die Anzahl an Regentagen relevant. Es wurde herausgefunden, dass diese stark mit der Niederschlagsmenge korreliert, so dass auch mit einer Abnahme an Regentagen zu rechnen ist. Steigende Temperaturen und weniger werdender Niederschlag werden die angesprochenen Stressfaktoren in ihrer Anzahl und Intensität verstärken. Diese Stressoren werden bereits jetzt in der Bevölkerung wahrgenommen. So wurden in letzten Jahren die Niederschläge unzuverlässig, unregelmäßig und unvorhersehbar. Oftmals war die Dauer des Regens zu kurz, so dass es Dürren kam oder aber es war zu viel Regen da, was Überschwemmungen zur Folge hatte. Besonders die schon schlechten Bö- den werden von beiden Ereignissen weiter in Mitleidenschaft gezogen. Deren Zustand wird als Ergebnis von schlechten Kultivierungspraktiken, Erosionen und Abholzungen für den Rückgang der Ernten verantwortlich gemacht. Die Temperaturen wurden als zu hoch wahrgenommen und die zu starke Sonneneinstrahlung sengte die Pflanzen ab. Zuletzt erhö- hen landanhaltende Dürren die Population an Grasshüpfern, welche den Maniok zerstören. Es wird erwartet, dass die Ernten von Maniok und Malanga mit dem Ansteigen der Temperaturen und der Dauer der Sonneneinstrahlung in Zukunft stark abnehmen werden. Die Produktion bzw. Ernten des Manioks wird dementsprechend um 3%, 13.5% und 53% bis zu den Jahren 2020, 2050 und 2080 abnehmen. Die prozentuale Abnahme der Malagaproduktivität wird auf 11.8%, 29.6% und 68% für 2020, 2050 und 2080 geschätzt. 2.2.2 Kakaoproduktion Auf die herausragende Stellung des Kakaos für die Exportwirtschaft wurde bereits eingegangen. Der Kakaosektor ist für die Einkommenssicherung weiter Teile der Bevölkerung essentiell. Dieser beschäftigt in Ghana über 800.000 kleinbäuerliche Familien. Die Anzahl der Kakaofarmbesitzer wird auf gut 350.000 geschätzt. Für die Kakaobauern trägt der Verdienst am Kakao zwischen 70 und 100 Prozent zum jährlichen Haushaltseinkommen bei. Die Hauptanbauregion des Kakaos ist die Western Region. Sie trägt zu über 50% bei der jährlichen Kakaoproduktion bei. Die Produktivität liegt bei schätzungsweise 250 kg pro Hektar. Kakao ist besonders anfällig gegenüber Trockenheit und der Anbau hängt in entschiedenem Maße von der Verteilung des Regenfalls ab. Der jährliche Niederschlag beträgt in der Anbauregion des Kakaos weniger als 2000mm. Besonders in den Trockenperiode zwischen November und Februar/März leiden die Pflanzen unter Wassermangel. Kakao kann am profitabelsten zwischen durchschnittlichen Maximumtemperaturen von 30-32 °C und 18-21 °C im Durchschnitt bei den Minimumtemperaturen wachsen. Auch von Erkrankungen und Schädlingen wie der „Black Pod Disease“ und den „Mirids“ werden die Kakaopflanzen heimgesucht. Beide Plagen haben ihrerseits andere klimatische Vorlieben. Die „Black Pod“ richtet den größten Schaden an, wenn die kurze Periode zwischen Juli und August, die eigentlich trocken ist, sehr feucht ist. Die „Mirids“ sind Insekten. Sie stechen die Pflanzen an, wodurch diese absterben können. Besonders aktiv und zerstörerisch sind die Insekten im Zeitraum, zwischen September und März. Kakao ist sehr verwundbar gegenüber Veränderungen des Klimas. Wie gezeigt, können Veränderungen der Temperatur, des Niederschlags, der Bodenbedingungen in verschiedenster Weise Auswirkungen auf den Pflanzenwachstum, auf Plagen und die, im Kakaosektor beschäftigten, Menschen haben. Szenarien errechnen einen Rückgang der Niederschlä- ge in den halbimmergrünen Wäldern um -2.8, -10.9 und -18,6% bis zu den Jahren 2020, 2050 und 2080. Für die tropischen Regenwälder wird ein Rückgang von -3.1, -12.1 and -20.2% für die gleichen Jahre vorhergesagt. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen könnten um 0.8, 2.5 and 5.4 in den halbimmergrünen Wäldern und um 0.6, 2.0 and 3.9 °C in den immergrünen Regenwaldzonen für 2020, 2050 und 2080 steigen. Diese projizierten Klimaveränderungen werden die Bodenfeuchtigkeit während der Trockenzeit abnehmen lassen und erhöht die Verwundbarkeit des Kakaos gegenüber dem Klimawandel. Klimaänderungen werden auch zur Ausbreitung und geographischen Verschiebung der Plagen führen. Neben den Plagen wird die zunehmende Trockenheit dazu beitragen, dass in den nächsten Jahrzehnten die Ernteerträge zurückgehen werden. Dies wird direkte Folgen für die im Kakaosektor beschäftigte Bevölkerung haben. Die geringen Einkommen der meisten Farmer und das Fehlen von formalen Kreditmöglichkeiten haben zur Folge, dass die meisten Farmer keine Möglichkeit haben die benötigten Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel für die Kakaoproduktion umzusetzen. 2.4. Fischerei Knapp 25% der ghanaischen Bevölkerung leben in den Küstengebieten und für um die 10% stellt die Küstenfischerei die Existenzgrundlage. Für Tausendende von Personen schafft sie Arbeitsplätze, als Fischer, Händler, Bootsbauer, Exporteure und Mittelsmänner. Zudem stellt Fisch mit 65% die Hauptversorgung mit tierischem Protein da. Die wirtschaftliche Bedeutung des Fischfangs ist eher gering, lediglich zu 3% des nationalen BIP trägt er bei. Der Meeresfischfang ist hierbei von besonderer Bedeutung, der Fischfang in den Flüssen und Seen ist mit 16% an der jährlichen Gesamtproduktion beteiligt. Von daher ist davon auszugehen, dass jegliche Veränderung in der Produktivität der Fischerei einen Einfluss auf die Lebensbedingungen der Menschen haben. Zu den beiden wichtigsten Fangarten gehören die Sardine und die Sardelle/Anchovis. „[D]ie vom Menschen verursachte Erwärmung der obersten Wasserschicht der Meere [kann] schwer vorhersagbare Änderungen der Nahrungsnetze und der Artenzusammensetzung zur Folge haben. Eine weitere Erhöhung der Wassertemperatur und die zunehmende Versauerung werden insgesamt große Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme und auch für die Fischerei haben.“3 Ergebnisse einer ersten Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels in ghanaischen Gewässern konnte zeigen, dass der Fischbestand und die Fangquote eng mit klimatischen Faktoren zusammenhängt. Geringere Fangraten wurden mit steigenden Wassertemperaturen für die Runde Sardine beobachtet, während für Sardellen/Anchovis ein gegenläufiger Trend zu beobachten ist. Besonders die Süßwasserfische werden hingegen vom abnehmenden Niederschlag in Mitleidenschaft gezogen werden. Zudem wird das Bevölkerungswachstum sich negativ auf die Qualität und die Quantität der Gewässer auswirken. 2.5. Menschliche Gesundheit Der Klimawandel wird in vielfältiger Weise auch die menschliche Gesundheit gefährden. Die bisherigen Kapitel haben gezeigt, dass der Klimawandel zu einer Abnahme der Wasserverfügbarkeit führen wird und die Ernten nachhaltig be- 3 WBGU (2006): Die Zukunft der Meere – zu warm, zu hoch, zu sauer. Berlin, S.1 einträchtigen wird. Letztgenanntes wird für viele Menschen zu Einnahmeverlusten führen. Dadurch wird es für viele Personen schwieriger sich bei Erkrankungen Medikamente zu kaufen. Für die Familien, die von der Subsistenzwirtschaft leben, stehen geringere Ernten im direkten Zusammenhang mit der Ernährungssituation. 2.5.1 Ernährungssicherheit Klimaänderungen und Extremwetterereignisse wie Dürren, Überschwemmungen oder Stürme können zu einer Abnahme der Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Ackerland führen. Wie gezeigt werden besonders die Hauptlebensmittel der ghanaischen Bevölkerung von den Klimaänderungen betroffen ein. Knappere Lebensmittel und höhere Preise können zur Mangelernährung führen, wodurch Krankheiten leichter auftreten können, da das Immunsystem geschwächt wird. Wenn die Dürre langanhaltend und schwerwiegend ist, werden die aufbewahrten Samen gegessen, und es steht für die nächste Aussaat weniger Saatgut zur Verfügung. Nahrungsknappheit führt auch in Ghana besonders bei Kindern und Frauen zur Mangelernährung. Der Energie- und Eiweißmangel ist in Ghana die weiterbreiteste Form von Ernährungsstörungen, besonders bei Kindern. Dieser führt dazu, dass Kinder unterentwickelt und unterernährt sind. Eine frühe Gesundheitsstudie fand im Jahr 1988 bereits heraus, dass Unterentwicklung bereits sehr früh beginnt und dass 30% der ghanaischen Kinder zwischen 3 und 6 Monaten betroffen waren, während 31% des gleichen Alters untergewichtig waren. Eine schwerwiegende Fehlernährung wurde bei 8% der Kinder festgestellt. Dieser Überblick lässt erahnen, wie die Ernährungs- und Gesundheitssituation der Ghanaer aussehen könnte, wenn die Klimaänderungen eintreten. 2.5.2 Krankheiten Dieses Unterkapitel konzentriert sich auf die Auswirkungen von Klimaänderungen in Bezug auf Krankheiten und Seuchen wie Malaria, Masern, Meningitis, Diarrhö und Dracontiasis. Malaria und Dracontiasis werden von einen Wirt übertragen: Malaria durch Stechmücken (Moskitos), Dracontiasis durch den Medinawurm. Cholera und andere Durchfallerkrankungen werden über Lebensmittel und Wasser übertragen und Masern und Meningitis über die Luft. Überträ- gerorganismen, wie Moskitos oder der Medinawurm, sind sehr empfindlich gegenüber Änderungen der Temperatur und der Luftfeuchtigkeit. Der Klimawandel kann durch seine Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der Spezies deren Verbreitung und Ausmaße verstärken oder eindämmen. Malaria wird von einzelligen Parasiten der Gattung Plasmodium hervorgerufen. Dieser Parasit kann in der Stechmücke allerdings sich nur bei bestimmten Temperaturen entwickeln. So nimmt das Vorkommen des Parasiten bei Temperaturen über 32°C drastisch ab. Wie bereits mehrfach erwähnt wird sich die Durchschnittstemperatur bis 2080 in allen Monaten erhöhen. Die jährlichen Malariafälle könnten von ungefähr 15 Millionen auf weniger als 500.000 abnehmen. Der Medinawurm, welche die Dracontiasis überträgt, hat selbst eine Krebsart als Zwischenwirt. Dieser braucht Wassertemperaturen von 24°C. Starker Regen hingegen spült den Krebs weg und verhindert die Übertragung. Allerdings erwarten die Klimaszenarien abnehmende Regenfälle und höhere Temperaturen, wodurch die Gefahr der Verbreitung des Krebses/des Medinawurmes kommen wird. Die Hauptlebensmittel- und Wasserkrankheit ist Diarrhö. Sie kann für Kinder, Ältere, schwangere Frauen und Personen mit einem schwachen Immunsystem fatal sein. Es wird davon ausgegangen, dass sich auch hier die Gefahr von Durchfallerkrankungen aufgrund durch den Klimawandel weniger werdenden Wasserressourcen zunehmen wird. Wenn die Wasserverfügbarkeit und – qualität weiter abnimmt, werden die Menschen gezwungen sein, auch konterminiertes Wasser für ihre Zwecke zu gebrauchen. Die Masern werden in den Klimaszenarien durch die steigenden Lufttemperaturen und dem weniger werdenden Regen bis 2080 profitieren und zunehmen. Aktuell ist jedoch eine Abnahme der Masern zu beobachten. Dies kann mit bestehenden effizienten Immunisierungsprogrammen erklärt werden. Die Klimaänderungen werden auch die Meningitis verstärken, da es zukünftig mehr Monate geben wird, in denen für sie optimale klimatische Verhältnisse herrschen. Auch wenn positive Trends mit Abnahme von Erkrankungen von Masern und Malaria zu erwarten sind, so wird der Klimawandel insgesamt die Gesundheit der Menschen in Ghana zusätzlich gefährden können, da andere Krankheiten von einem wärmeren und trockeneren Klima profitieren werden. 2.6. Energiesektor Die Hauptenergiequelle ist die Wasserkraft. In zwei Wasserkraftdämmen bei Akosombo und Kpong werden 912MW und 160MW Strom erzeugt. Zusätzlich steht für die Energieversorgung ein Dieselkraftwerk bei Tema und eine Wärmekraftanlage bei Aboadze mit Kapazitäten für jeweils 30MW und 300MW. Mit wachsender Bevölkerung und nachholender Entwicklung wird auch in Ghana die Nachfrage nach Strom schnell ansteigen. Das Wasserkraftwerk wurde für eine Population für 5 Millionen Menschen erbaut. Der Klimawandel wird zu weiteren Engpässen beitragen, da besonders die Stromerzeugung aus Wasserkraft beeinträchtigt werden wird. So verliert der Volta bereits jetzt aufgrund des Klimawandels an Wasser. Im Mai 2007 beklagte der ghanaische Finanzminister Kwadwo Baah-Wiredu, dass wegen des Klimawandels 20 Prozent des Energiebedarfs nicht mehr gedeckt werden können.

http://www.gesichter-afrikas.de/pdf/Klimawandel%20in%20Ghana.pdf

 

Ghana: Mit Plastikmüll gegen den Klimawandel

Das verarmte Dorf Totope fällt der Erosion an Ghanas Atlantikküste zum Opfer. Aber die Einheimischen haben noch nicht aufgegeben. Mit Plastikmüll versuchen sie, dem Meer neues Land abzutrotzen.

http://www.stern.de/video/video-ghana–mit-plastikmuell-gegen-den-klimawandel-3434930.html

Projektbericht Projektland: Ghana Datum: 07.11.2012

Klimawandel in Afrika:

Eine Bestandsaufnahme am Beispiel Ghanas

Beim Stichwort Ghana fallen den meisten zunächst Schlagwörter wie ‚Stabilität und Demokratie‘, ‚Bemerkenswerter Fortschritt‘ und ‚reiche Ölvorkommen‘ ein. Während diese Vorstellungen auf den Süden Ghanas durchaus zutreffen, fristet der Norden des Landes weiterhin einen entwicklungspolitischen Dornröschenschlaf und gilt als eine der rückständigsten Regionen Afrikas. Dieser Umstand lässt sich unter anderem auf die Folgen des Klimawandels in der Region und die strukturelle Vernachlässigung des Nordens durch ghanaische Regierungen zurückführen. Die Bekämpfung der weitverbreiteten Armut in Nord Ghana erweist sich aufgrund von Umweltkatastrophen, ungelösten ethnischen Konflikten und Mangel an Initiativen durch die Regierung als sehr schwierig. Nur wenn die vielfältigen Probleme der Region offen angesprochen werden, können die Lebensbedingungen im Norden Ghanas langfristig verbessert werden. Eine aktive Zusammenarbeit aller Vertreter, auf nationaler, regionaler und subregionaler Ebene ist hierfür unabdingbar. Der Norden Ghanas wird immer öfter zum Schauplatz verheerender Umweltkatastrophen: Überflutungen und Brände bedrohen die dort lebenden Menschen in Ihrer Existenz: zunehmende Versteppung gefährdet die landwirtschaftlichen Tätigkeiten der Bewohner und wird durch weiträumige Abholzungen verschlimmert. Die Hanns-Seidel Stiftung unterstützt deshalb seit Oktober 2011 das Projekt ‘Bekämpfung des Klimawandels durch Aufforstung‘ in den Gemeinden Zua und Mishio im Norden Ghanas. Das Projekt zielt nicht nur darauf ab, Ghanaer über die Gefahren des Klimawandels aufzuklären, sondern motiviert die Bewohner, aktiv an Entscheidungen zu Umweltthemen in ihren Gemeinden teilzunehmen. Mit Aufforstungsinitiativen entlang des Weißen Volta-Flusses soll der Versteppung entgegengewirkt werden. Die aktive Beteiligung der Gemeinden an den Initiativen hat zu einer erfolgreichen Umsetzung des Projektes beigetragen und es zu einem der erfolgreichsten Aufforstungsmaßnahmen in der Region gemacht. Immer wiederkehrende Überflutungen sowie Konflikte mit Nomaden in der Region bleiben aber allgegenwärtig und gefährden nicht nur die nachhaltige Umsetzung des Projektes sondern auch die Lebensgrundlagen der Menschen. Die Gemeinden Zua and Mishio liegen direkt am Weißen Volta-Fluss, dessen Flussbänke zur Hanns-Seidel-Stiftung_ Projektbericht_Ghana 31.10.2012 2 landwirtschaftlichen Produktion genutzt werden. Erst kürzlich wurden die Gemeinden von einer Flut heimgesucht und die Ernten größtenteils zerstört. Trotz vermehrter Aufrufe von zivilgesellschaftlichen Organisationen und regionalen Behörden, den Anbau von Nutzpflanzen in Ufernähe zu beenden und stattdessen in wassergeschützte Gegenden zu verlagern, wird die Anpflanzung fortgeführt. Der Anbau der Lebensmittel in wassergeschützten, weniger fruchtbaren Gegenden stellt keine ideale Alternative für die Bauern dar. Vereinzelte Initiativen der Regierung und Hilfsorganisationen, Düngemittel für die weniger fruchtbaren Anbauflächen zur Verfügung zu stellen, haben bis jetzt kaum Wirkung gezeigt. Eine weitere Bedrohung für die Existenz der Projektgemeinden sind die Konflikte mit den Fulani Nomaden. Die Herden dieser Nomaden werden regelmäßig zum Grasen in landwirtschaftlich genutzte Gebiete geführt. Es kommt daher immer wieder zu Zerstörungen von Plantagen, die für die Lebensmittelproduktion genutzt werden. Dies hat oft schwere Auseinandersetzungen mit einheimischen Bauern zur Folge. Dieser Konflikt existiert schon seit langem, wird von den ghanaischen Behörden aber nicht ernst genommen. Die Regierung tendiert dazu, die Bedeutung von Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Gruppen für die Entwicklung des Landes, insbesondere der nördlichen Regionen, zu ignorieren. Während die Hanns Seidel Stiftung im Niger eine Regierungsinitiative unterstützt, die verschiedene ethnische Gruppen an einen Tisch bringt und Probleme anspricht, konnte dies in Ghana bis dato nicht realisiert werden. Die Lebenssituation der Menschen in den nördlichen Gemeinden illustriert, dass der Norden Ghanas einen hohen Bedarf an entwicklungspolitischer Unterstützung hat. Wie das Aufforstungsprojekt der Hanns Seidel Stiftung zeigt, ist die Förderung von Eigeninitiativen und Verantwortungsbewusstsein in den Projektgemeinden eine wichtige Bedingung für die erfolgreiche und nachhaltige Durchführung von Entwicklungsprojekten. Das Aufforstungsprojekt ist jedoch nur einer von vielen kleinen Schritten hin zur langfristigen Verbesserung der Lebensbedingungen in dieser Region. Besonders auf nationaler Ebene sollten die Probleme offen angesprochen und entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Ein erster Schritt in Richtung einer intensiveren Auseinandersetzung mit den Existenzproblemen der Menschen in Nord Ghana könnte die Verbesserung des Informationsflusses zwischen dem nördlichen und südlichen Teil des Landes darstellen. Zudem sollten die verschiedenen ethnischen Gruppen Ghanas zu einem gemeinsamen Treffen mit der Regierung eingeladen werden, um Konflikte anzusprechen und Lösungen zu erarbeiten. Autorin: Liana Sophia Lücke Die Autorin ist Praktikantin bei der Hanns-Seidel Stiftung in Accra, Ghana.

http://www.hss.de/fileadmin/westafrika/ghana/downloads/2012-11-07_PB_Aufforstungsprojekt_final.pdf