Cashew-Hoffnungsschimmer in der Region Brong-Ahafo: Mehr als 1,5 Millionen Kleinbauern in Afrika 850000 Tonnen Cashewnüsse und damit 45 Prozent der Welternte produzieren, aber nur fünf Prozent ihrer Produktion auch in Afrika weiterverarbeitet werden. John Dare musste seine rohen Nüsse früher an die Zwischenhändler verkaufen, ob nun zu einem fairen Preis oder nicht. Jetzt verkauft er an seine Wenchi-Genossenschaft, der mittlerweile 1800 Bauern angehören, und seit diesem Jahr hat er dabei auch noch einen viel besseren Überblick. Möglich macht das der Software-Konzern SAP mit Hauptsitz im badischen Walldorf, der am Cashew-Projekt beteiligt ist und in aller Welt über solches „social business“ neue Kunden gewinnen will. Früher waren die Baumschulen in Staatshand, jetzt ist die Devise „dezentralisierte Produktion in Bauernhand“, so Peter Keller. Im kommenden Monat will der Inder Venkatesan Rajkumar bei Techiman seine erste Cashewverarbeitungsfabrik in Ghana in Betrieb nehmen. Dann wären es insgesamt fünf Anlagen im ganzen Land.

Cashewbauern: Mit Smartphones harte Nüsse knacken

Die Welt will mehr Cashewnüsse. Dass auch Afrikas Bauern mehr davon haben – dafür arbeiten Entwicklungsfachleute aus Deutschland.

07.10.2011, von AXEL WERMELSKIRCHEN

© AXEL WERMELSKIRCHEN

Die Cashewnachfrage auf dem Weltmarkt ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um das Sechsfache gewachsen und steigt jährlich weiter

John Dare rückt sich einen Stuhl in den Nussbaumschatten, scheucht die Truthähne zur Seite und bittet vor dem Gespräch mit den Gästen um den Segen Jesu. Dare ist nicht nur Cashewbauer, er ist auch Prediger und zählt zu den 30Prozent Christen unter den 25 Millionen Einwohnern Ghanas. Deshalb hat er nur eine Ehefrau, nicht bis zu vier, wie es im muslimischen Norden des Landes üblich ist (die übrigen 40 Prozent der Ghanaer gehören Naturreligionen an). Dare, dem man seine 70 Jahre nicht ansieht, bewirtschaftet an seinem Vierhäuserdorf in der Nähe der Stadt Wenchi eine Vierhektarplantage. Die Cashewbäume stehen ordentlich im Zehnmeterabstand. Der Boden darunter ist unkrautfrei, die Äste sind geschnitten. Dares Kinder – der jüngste Sohn ist fünf – sind an diesem Morgen noch in der Schule, nachmittags werden sie ihm wie üblich bei der Farmarbeit helfen. Für die 2011er Ernte von März bis Juni zeigt der Bauer ein Zertifikat der „Wenchi Cashew Farmers and Marketing Union“ vor: 2647Kilogramm Cashewnüsse in der Schale hat er an die Genossenschaft verkauft. Die Gesamternte von 4000 Kilogramm hat ihm 6000 Cedi eingebracht, umgerechnet 3000 Euro. Das ist gut zehnmal mehr als der durchschnittliche afrikanische Cashewbauer mit seiner Hände Arbeit erzielen kann.

Axel WermelskirchenFolgen:

Damit muss Dares Familie ein Jahr auskommen – und ist damit gut dran in dem aufstrebenden westafrikanischen Land mit seinen vielen Völkern, in dem vier von zehn Einwohnern jünger als 15Jahre alt sind. Seit Januar 2009 regiert Präsident John Evans Atta Mills. Der Korruptionsindex ist hoch, das noch agrarisch geprägte Ghana exportiert hauptsächlich Gold, Erdöl, Diamanten, Bauxit und Mangan, Kakao, Zuckerrohr, Kaffee – und brillante Fußballspieler. Die Inflation ist von 26 auf knapp neun Prozent gesunken, aber auch das reizt die Ghanaer noch nicht unbedingt zum Sparen.

Bessere Arbeit, besseres Leben

Der Bauer Dare weiß wohl kaum, dass die Cashewnachfrage auf dem Weltmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten um das Sechsfache gewachsen ist und weiter um bis zu acht Prozent jährlich steigt, vor allem aus Indien und China. Vielleicht weiß er auch nicht, dass weit mehr als 1,5 Millionen Kleinbauern in Afrika 850000 Tonnen Cashewnüsse und damit 45 Prozent der Welternte produzieren, aber nur fünf Prozent ihrer Produktion auch in Afrika weiterverarbeitet werden, während der Großteil nach Indien und Vietnam verschifft wird.

Was er aber weiß, ist, dass seine Arbeit und sein Leben besser geworden sind, seit er Teil eines Entwicklungsprojekts ist, bei dem die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag der Bundesregierung und der „Bill & Melinda Gates“-Stiftung die Feder führt. Afrikanische Cashew-Initiative (ACI) heißt das Projekt, das im Jahr 2009 begann und 2013 vollendet sein soll. Das Ziel ist, die Wettbewerbsfähigkeit der Cashewproduktion in Ghana, Burkina Faso, Benin, Moçambique und der Elfenbeinküste auf allen Stufen der Wertschöpfungskette zu verbessern und die Armut in diesen Ländern nachhaltig zu verringern. Projektleiter ist Peter Keller, Agrarökonom, Vater zweier Söhne in den Mittzwanzigern und seit mehr als 30 Jahren für die GIZ in Asien und Afrika im Einsatz.

Effektiver und transparenter Handel

John Dare musste seine rohen Nüsse früher an die Zwischenhändler verkaufen, ob nun zu einem fairen Preis oder nicht. Jetzt verkauft er an seine Wenchi-Genossenschaft, der mittlerweile 1800 Bauern angehören, und seit diesem Jahr hat er dabei auch noch einen viel besseren Überblick. Möglich macht das der Software-Konzern SAP mit Hauptsitz im badischen Walldorf, der am Cashew-Projekt beteiligt ist und in aller Welt über solches „social business“ neue Kunden gewinnen will. Carsten Friedland, 1975 geboren und in Südafrika aufgewachsen, arbeitet in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Konzerns. Der Cashew-Genossenschaft in Wenchi hat er mit seinen Leuten in kürzester Frist ein Computerprogramm an die Hand gegeben, das Produktion und Handel effektiver und transparenter macht. Auch John Dares Nusssäcke tragen jetzt eine Papierplakette mit Strichcode darauf. Wenn er sie in der Erntezeit zu einer der zehn lange Wegstunden auseinanderliegenden Sammelstellen bringt, muss der Mann von der Genossenschaft nur noch das SAP-Smartphone darüber halten – schon ist in der Zentrale Dares Name gespeichert, das Gewicht seiner Säcke, das Lieferdatum, die Sammelstelle. Ist das Internet nicht zu erreichen, können immerhin noch SMS geschickt werden.

Auf den Smartphones ist auch der aktuelle Weltmarktpreis für Cashewnüsse abzulesen. Kein „Middleman“ (Zwischenhändler) könnte Dare noch übers Ohr hauen. Der Genossenschaftssekretär Yahya Abu Baro sagt dazu, die Unregelmäßigkeiten hätten früher doch schon mit dem Wiegen begonnen. Dare kann sich auch überlegen, ob er mit dem Verkauf seiner Nüsse nicht wartet, bis der Preis besser wird. Zudem weiß er, wie viel die 60 anderen Cashewbauern seiner Gegend an die Genossenschaft verkauft haben. Der Wettbewerb wird den einen oder anderen Bauern dazu veranlassen, die Genossenschaftsfachleute um Rat zu fragen, damit er künftig mehr und bessere Nüsse liefern kann. Und die Genossenschaft wiederum weiß – anders als zu Zeiten schlampig geführter Papierlisten – von jeder einzelnen Nuss, wo sie herkommt, und kann damit den steigenden Qualitätsansprüchen der Verarbeitungsbetriebe und Großhändler begegnen. Schlechte Nüsse kaufe die Wenchi Union nicht, sagt der Genossenschafter Peter Amponsa. Die würde sie auch gar nicht los bei den rund zwei Dutzend Großhändlern, unter ihnen Olam, der weltführende Verarbeiter von Agrarerzeugnissen mit Sitz in Singapur, der das Projekt ebenso unterstützt wie etwa die Unternehmen Kraft Food und Ahold.

„Dezentralisierte Produktion in Bauernhand“

Peter Keller gibt auch für die Wenchi-Genossenschaft als eines der Projektziele aus, den Ertrag pro Baum und Jahr auf 20Kilogramm zu steigern. Noch sind es nur drei bis fünf Kilogramm, obwohl ein Cashewbaum – nach sechs bis sieben Jahren trägt er voll, mit zehn ist er ausgewachsen – auch 70 Kilogramm im Jahr bringen könnte. Von solchen Bäumen träumt wohl auch der 59 Jahre alte Asuamah Yeboah, der wie andere von der ACI trainierte Bauern unter den Palmblattdächern seiner offenen Gewächshäuser Cashewsetzlinge zieht und geradezu zärtlich mit Edelreisern pfropft. Früher waren die Baumschulen in Staatshand, jetzt ist die Devise „dezentralisierte Produktion in Bauernhand“, so Peter Keller.

Im kommenden Monat will der Inder Venkatesan Rajkumar bei Techiman seine erste Cashewverarbeitungsfabrik in Ghana in Betrieb nehmen. Dann wären es insgesamt fünf Anlagen im ganzen Land. Rajkumar Impex ist nach Olam der zweitgrößte Cashewverarbeiter der Welt, bis 2014 will der Inder 18 Prozent der Welternte verarbeiten. Bislang hat er jedes Jahr 23000 Tonnen in gut 1600 Schiffscontainern von Ghana nach Indien gebracht. Die Fahrt dauert 40Stunden, und die Schalen der Nüsse machen vier Fünftel der Fracht aus. Mit der neuen Anlage in Ghana soll das ein Ende haben.

„Mim Cashew“ bietet Hunderte Arbeitsplätze

Mit dem Entwicklungsprojekt ACI verbunden ist ein anderer Nussverarbeiter, das mittelständische Unternehmen „Mim Cashew“ bei der Stadt Mim in der Region Brong-Ahafo (22000 Einwohner). Zum Unternehmen gehört eine große Cashewplantage. Der Däne Lars Wallevik ist der Besitzer, er hat das Farmland eines Iren gekauft und 2008 in umgebauten großen Hühnerställen mit der Nussverarbeitung begonnen. Es sollte nicht nur ums Geschäft gehen, es sollte etwas für Ghana getan werden, im Sinne von Walleviks Vater Paul, der bis Mitte der siebziger Jahre von hier Möbelholz exportierte, das Land und die Leute liebte, aber gehen musste, als wieder einmal eine politische Krise hereinbrach.

„Mim Cashew“ bietet Hunderte Arbeitsplätze, zahlt ordentlich und trainiert die Mitarbeiter. Viele wohnen in kleinen Reihenhäusern am Firmengelände. Auf dem Gelände wohnt Hermann Bani, ein Schweizer, der sich in den Siebzigern in Afrika verliebte. Er managt die Firma zusammen mit Joseph Yeung. Bis zu 2000 Tonnen Cashewnüsse können hier verarbeitet werden. Nach dem Trocknen und Dämpfen knacken die Fabrikarbeiter die Nüsse an langen Werkbänken auf und entfernen die Schalen. Die Kerne werden dann noch dreimal maschinell und von Hand geschält, nach Größe und Qualität sortiert und schließlich verpackt.

Die Fabrikarbeiter bei „Mim Cashew“ bleiben nicht selten einfach ein paar Tage weg, wenn der Lohn gezahlt ist; an diese Form der Arbeit haben sich viele von ihnen noch nicht gewöhnt. Aber dass hier Ghanaer die Nüsse Ghanas im eigenen Land verarbeiten, schon das ist ein Cashew-Hoffnungsschimmer.

Advertisements

In den 80er-Jahren wurde der Kakaoanbau aufgrund restriktiver Vorgaben des Weltwährungsfonds und der Weltbank intensiviert und industrialisiert. Dies führte zur massenhaften Entlassung von Arbeitskräften und durch das erhöhte Angebot sanken die Weltmarktpreise. Für die armen Landarbeiter in Ghana bedeuten die sinkenden Weltmarktpreise Arbeitslosigkeit, viele Tausend Ghanaer sind wegen der dramatischen Einkommensverluste einfach verhungert!

Bild Zerstörung

Kaffee & Kakao

„Kaffee trinken“ ist für viele Millionen Menschen das Synonym um eine Pause zu machen (Kaffeepause). Kaffee ist (nicht nur) in Deutschland das beliebteste Getränk. Pro Kopf kommen wir jährlich auf 164 Liter. Das ist fast doppelt so viel wie wir an Erfrischungsgetränken oder Mineral- und Quellwasser zu uns nehmen. Was für die Erwachsenen der Kaffee ist, ist für die Kinder der Kakao. Die Kakaobohne ist der Grundstoff für die Produktion von Schokolade.

Für uns Deutsche ist Kakao eine überaus wichtige Frucht, wir sind nach den Schweizern, Vizeweltmeister im Konsum von Schokolade (8,8 kg pro Kopf; Zahlen von 1995). Haben der Kaffee- und Kakaoanbau in den Tropenländern eine ähnlich segensreiche Wirkung wie der Genuß von Schokolade und Kaffee bei uns?

Preisverfall

80 Prozent der weltweit 25 Millionen Kaffeefarmer sind Kleinbauern, die unter ihren Produktionskosten von 80 bis 90 US-Cent pro Pfund arbeiten. Im Oktober 2004 wird ein Pfund Rohkaffee an internationalen Warenbörsen für 60 US-Cent gehandelt.

Nein. Der afrikanische Staat Ghana beispielsweise bestreitet 70 Prozent seiner Exporterlöse mit Kakao und beschäftigt(e) mehr als 600.000 Familien in diesem Bereich. In den 80er-Jahren wurde der Kakaoanbau aufgrund restriktiver Vorgaben des Weltwährungsfonds und der Weltbank intensiviert und industrialisiert. Dies führte zur massenhaften Entlassung von Arbeitskräften und durch das erhöhte Angebot sanken die Weltmarktpreise.

Für die armen Landarbeiter in Ghana bedeuten die sinkenden Weltmarktpreise Arbeitslosigkeit, viele Tausend Ghanaer sind wegen der dramatischen Einkommensverluste einfach verhungert!

Egal ob Kaffee, Kakao oder andere landwirtschaftliche Produkte aus armen Ländern: sinken die Weltmarktpreise, dann sind zuerst die Plantagenarbeiter in den produzierenden Ländern betroffen. Geringere Löhne und Kinderarbeit sind die Folge. Auf Sisal-, Kaffee-, oder Kakaoplantagen, die für unseren Bedarf produzieren, häufen sich die Fälle von Kindersklaverei.

Umgekehrt entwickelt sich die Situation in den Abnehmerländern: Musste ein Industriearbeiter 1958 noch vier Stunden für ein Pfund Kaffee arbeiten, sind es heute noch 20 Minuten!

(Quelle: Werkstatt Materialien: Das erste Ma(h)l von Jürgen Wolters und Tammy Chang)

http://www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/kaffee-kakao.htm

Schwere und lange Dürreperioden haben Westafrika in der jüngsten Geschichte oft heimgesucht – Versicherungen gegen Ernteausfälle – Was ist aus dieser Idee geworden? Wer weiß mehr?

Hochgeladen am 27.04.2011

Schwere und lange Dürreperioden haben Westafrika in der jüngsten Geschichte oft heimgesucht. Für Kleinbauern in Ghana bedeuteten sie meist den finanziellen Ruin. Herkömmliche Versicherungen gegen Ernteausfälle waren bislang wenig praktikabel und teuer, es fehlten verlässliche Wetterdaten, um Versicherungsschäden nachzuweisen. Das will die ghanaische Regierung jetzt ändern. Zusammen mit dem nationalen Versicherungsverband bietet sie Versicherungen an, die sich an einheitlichen Daten orientieren. Die Informationen liefern vollautomatische Wetterstationen, die von den Versicherungen anerkannt sind. Das fördert die Verlässlichkeit und senkt die Kosten für die versicherten Bauern.