Tausende Kinder atmen auf Elektromüllhalden in Afrika giftige Gase ein – In Ghana und Nigeria werden demnach Afrikas größte Halden für illegal verbrachten Müll unterhalten, gefolgt von der Elfenbeinküste und der Demokratischen Republik Kongo: Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im April: „Die meisten bei uns in Europa ausrangierten Elektronikgeräte kommen hierher – auch aus Deutschland, legal und illegal.” Bis zu 20 000 Kinder sollen auf Halden wie jener bei Accra arbeiten und aus Elektroschrott seltene Metalle und andere wiederverwertbare Bestandteile herausholen und dabei giftigen Dämpfen ausgesetzt sein.

UN fordern Kampf gegen illegalen Elektroschrott

12.05.2015 Tausende Kinder atmen auf Elektromüllhalden in Afrika giftige Gase ein. Kriminelle Geschäftemacher verdienen an den Abfällen Milliarden. UN-Experten fordern mehr Maßnahmen gegen illegale Müllexporte.

Männer arbeiten am Stadtrand von Accra, der Hauptstadt von Ghana, auf einer Müllhalde aus Elektroschrott. Foto: Kay Nietfeld/ArchivMänner arbeiten am Stadtrand von Accra, der Hauptstadt von Ghana, auf einer Müllhalde aus Elektroschrott.Foto: Kay Nietfeld/Archiv
Genf. Mit der illegalen Entsorgung von Elektroschrott vor allem in Afrika und Asien werden nach UN-Angaben weltweit immer größere Geschäfte gemacht.

Auf bis zu 19 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) pro Jahr schätzt das UN-Umweltprogramm (Unep) den Wertumfang der Verschiffung und Ausschlachtung von ausgedienten Computern, Fernsehern, Handys oder anderen Elektronikprodukten unter Umgehung bestehender Vorschriften.

„Bis zu 90 Prozent des jährlichen weltweiten Elektromülls werden illegal gehandelt oder entsorgt”, klagt Unep in einem in Genf veröffentlichten Bericht. Zugleich werde der „globale Müllberg” immer größer: Spätestens bis 2017 dürfte nach Unep-Schätzungen die von der Elektronik-Industrie jährlich verursachte Müllmenge von derzeit 41 Millionen auf rund 50 Millionen Tonnen anwachsen.

„Wir sind konfrontiert mit der Entstehung eines beispiellosen Tsunamis aus Elektroschrotts”, erklärte Unep-Direktor Achim Steiner zur Veröffentlichung des Berichts „Waste Crimes, Waste Risks” („Müll-Verbrechen, Müll-Gefahren”). „Das ist nicht einfach nur ein großer Teil des nicht recycelbaren Müllbergs der Welt, sondern birgt wegen der giftigen Bestandteile auch Gefahren für die Gesundheit und die Umwelt.”

Die Hauptziele für legale wie auch illegale Exporte von Elektroschrott sind Unep zufolge Länder in Afrika und Asien. In Ghana und Nigeria werden demnach Afrikas größte Halden für illegal verbrachten Müll unterhalten, gefolgt von der Elfenbeinküste und der Demokratischen Republik Kongo. In Asien werde „E-Waste” unter anderem in China, Indien, Pakistan und Bangladesch auf oft illegale Weise entsorgt.

Erst kürzlich hatte sich auch die Bundesregierung mit dem Problem der Elektroschrott-Entsorgung befasst. Bei der Besichtigung einer der weltweit größten Elektro-Müllhalden am Rande der ghanaischen Hauptstadt Accra sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im April: „Die meisten bei uns in Europa ausrangierten Elektronikgeräte kommen hierher – auch aus Deutschland, legal und illegal.”

Bis zu 20 000 Kinder sollen auf Halden wie jener bei Accra arbeiten und aus Elektroschrott seltene Metalle und andere wiederverwertbare Bestandteile herausholen und dabei giftigen Dämpfen ausgesetzt sein. Müller rief zur Schließung etwaiger Schlupflöcher bei der Entsorgung durch die Elektronik-Industrie auf.

In dem Unep-Bericht heißt es, der Export giftiger Abfälle aus EU-Staaten in Entwicklungsländer sei zwar untersagt, jedoch gebe es immer wieder Betrugsfälle. So würden Tausende Tonnen an gefährlichem Elektronikschrott bei der Ausfuhr falsch deklariert und zum Beispiel Batterien als Plastik- oder Mischmetallmüll exportiert.

Die UN-Organisation appellierte an alle Staaten, die Einhaltung von Verboten zu erzwingen. Dazu seien strengere Kontrollen erforderlich. Auch Regelungen zur kostenlosen Rückgabe von Alt-Elektronik an zur legalen Entsorgung verpflichtete Händler und Hersteller könnten helfen, Gefahren durch Elektroschrott zu reduzieren.

http://www.fnp.de/nachrichten/panorama/UN-nbsp-fordern-Kampf-gegen-illegalen-Elektroschrott;art46558,1397817

Die Achillesferse des ghanaischen ‘Wunders‘ liegt auf der Hand. Die weitere Entwicklung hängt an den dünnen Fäden der Weltkakaopreise, den ausländischen Kreditzuflüssen und nicht zuletzt an der inneren politischen Stabilität.

Ghana ist ein Lehrstück in Globalisierung

In der taz vom 21. 10. 87 heißt es über Rawlings:

Rawlings hat ein von der neuen Elite total ruiniertes Land übernommen und mit allem Realismus dem Volk gesagt: „Wir haben nichts mehr. Nicht einmal etwas für ein Geschenk. Wir haben bloß noch Tränen und unsere Arme. Also müßt ihr weinen und den dürren Boden bewässern. Ihr müßt die Hände gebrauchen und überall etwas anbauen… Wer Würde will, kann diese nicht als Hilfe geschenkt erhalten.“

 

1984, Quame Danso, Dorf in Ghana: Ein Häuptling mit seinem ganzen Stolz: seinen Söhnen, einem Gewehr und dem Kofferradio. Das auf den Europäer zum Teil idyllisch wirkende Leben auf dem Land war für die Einheimischen mit großen Härten verbunden.

Soweit die guten Vorsätze. Aber der mit revolutionärem Pathos angetretene Rawlings sah dann doch die „Hilfe“ des Internationalen Währungsfonds, eines Vorreiters der Globalisierung, als Rettungsanker an. Mit den Folgen, die überall in der Dritten Welt anzutreffen sind. Die Produktionsziffern verbesserten sich, die Lage von Volk und Staat nicht. In der taz vom 18. 6. 1988 schreibt Klaus Enderle:

Die Nahrungsmittelsituation – 1983 der entscheidende Faktor für die Hinnahme des ERP („Economic Recovery Programme“ des Internationalen Währungsfonds) in der Bevölkerung – hat sich zwar nachhaltig verbessert, doch ist das fast ausnahmslos auf die starken Regenfälle zurückzuführen.

Des weiteren wird (vom IWF, H.N.) verschwiegen, daß die beeindruckenden Wachstumszahlen nur auf Pump finanziert wurden. Der IWF hat sich durch sein Engagement zum Hauptgläubiger des Landes gemacht, der mittlerweile seine Kredite wieder eintreibt. 1987 flossen bereits wieder 140 Millionen Dollar an den Fonds zurück, 1988 werden es über 200 Millionen sein. Ohnehin droht die Schuldensituation das Wachstum der vergangenen Jahre wieder aufzufressen. Die gesamte Auslandsverschuldung, die sich auf 2,7 Milliarden Dollar summiert, verschlingt bereits 63 Prozent der gesamten Exporteinnahmen.

An der Wirtschaftsstruktur Ghanas konnte und wollte das schuldenträchtige Umbauprogramm freilich nichts ändern. Die enorme Auslandsabhängigkeit wurde vielmehr zementiert, die binnenwirtschaftliche Produktion bleibt auch weiterhin diskriminiert. Die heutige Wirtschaftsstruktur Ghanas gleicht einem Fossil aus kolonialer Vorzeit. Ähnlich wie im Jahr 1910 ist Ghana heute mehr denn je vom Kakaoexport und damit von den Weltmarktpreisen abhängig. Die forcierte Kakaoproduktion hat dazu geführt, daß inzwischen 70 Prozent der Exporterlöse aus dem Kakaoexport erwirtschaftet werden, also gerade der Teil, der für den Schuldendienst an ausländische Gläubiger verwendet werden muß. Die gesamte Kakaoproduktion Ghanas erfolgt augenblicklich für das Ausland, und das bei gesunkenen Weltmarktpreisen und neuen Anbietern.

Die Achillesferse des ghanaischen ‘Wunders‘ liegt auf der Hand. Die weitere Entwicklung hängt an den dünnen Fäden der Weltkakaopreise, den ausländischen Kreditzuflüssen und nicht zuletzt an der inneren politischen Stabilität. Zwar konnten die Maßnahmen bislang noch ohne offenen Massenprotest umgesetzt werden, doch hat sich das Klima zunehmend verschärft. Das bekommen insbesondere die Gewerkschaften zu spüren.

Das Schuldenkarussell droht sich zunehmend auch in Ghana nach dem altbekannten Muster zu drehen: Anpassungspolitik, Popularitätsverlust der Regierung – politische Unzufriedenheit. Was letztlich bleibt, ist eine verschärfte Repression.

In der taz vom 5. 12. 95 wird berichtet, daß der ehemalige Revolutionär Rawlings versucht, Ghana zum privilegierten Partner der USA in Westafrika zu machen.

Auf seiner USA-Reise (…) offerierte Rawlings allen US-Schwarzen die ghanaische Staatsbürgerschaft, als sei Ghana die Heimat aller Sklavenabkömmlinge. Kaum ein Land der Region bietet sich so inbrünstig ausländischen Investitoren an – und anderen Interessenten aus der USA. In Cape Coast fahren Adventisten in glitzernden Geländewagen herum, die „Kirche der Heiligen der Letzten Tage“ hat ein neues Gebetshaus, und am Strand baut gerade die „Pentecostal Church“. Taxen fahren vorbei mit Aufklebern wie „Peace in Jesus“ und der US-Fahne.

13 Jahre nach dem Beginn des Strukturanpassungsprogramm des IWF schreibt Uwe Kerkow in der taz (10.12.96):

Unter seiner Herrschaft wurde Ghana der Musterschüler von IWF und Weltbank, da es die Strukturanpassungsprogramme rigoros umsetzte. Ein Wirtschaftswachstum von über fünf Prozent bis in die 90er schienen Rawlings Programm recht zu geben.

Doch heute herrscht Krisenstimmung in Ghana. Fast 70 Prozent Inflation, Auslandsschulden von fünf Milliarden US-Dollar, ein auf drei Prozent vermindertes Wirtschaftswachstum, ungehemmter Raubbau an den natürlichen Ressourcen des Landes und eine Infrastruktur, die immer noch auf den Export von Gold, Kakao und Holz ausgerichtet ist, können von dem derzeitigen Goldboom und den damit erzielten Gewinnen nicht aufgefangen werden.

Eine durchdachtere Privatisierungspolitik wird immer wieder angemahnt. Eine zu rasche Senkung der Importzölle hatte die einzige ghanaische Batteriefabrik in den Ruin getrieben. Die heimische Textilindustrie wird zur Zeit durch Altkleiderimporte aus der „Ersten Welt“ zerstört. Und Mitte des Jahres hatte die Regierung von Rawlings – auf Druck der Weltbank – den inländischen Rohölmarkt für Ölmultis freigegeben. Damit wurden die Subventionen für die Beninpreise aufgehoben.

Ein Anfang dieses Jahres erschienener – mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellter – offizieller Armutsbericht spricht davon, daß 30 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Rawlings neue Regierung wird nur einen minimalen Handlungsspielraum haben.

http://www.noth.net/c111rawlings.htm

Die Wirtschaftspolitik der EU und der europäischen Staaten haben die Geflügelwirtschaft in Ghana zerstört – und damit Tausende Arbeitsplätze und Perspektiven. Auch deshalb verlassen Menschen ihre Heimat.

Das Märchen vom fairen Handel
Wie die EU Ghanas Geflügelwirtschaft zerstört

Europa trägt selbst Verantwortung für die Fluchtbewegungen aus Afrika. Beispiel Ghana: Dort hat die Wirtschaftspolitik der EU die Geflügelwirtschaft zerstört – und damit Tausende Arbeitsplätze und Perspektiven. Auch deshalb verlassen Menschen ihre Heimat.

Von Alexander Göbel

Geflügel-Schlachterei: Mitarbeiterinnen packen gerade Beutel mit Innereien in Brathähnchen. (picture alliance / dpa)

Ausländische Produzenten bieten das gleiche Huhn im Schnitt für weniger als die Hälfte an. Solche Dumpingpreise haben dazu geführt, dass Ghanas Geflügelbauern nur noch einen Marktanteil von zehn Prozent haben – im eigenen Land. (picture alliance / dpa)
MEHR ZUM THEMA

Agrarexporte in schwache MärkteUngleiche Geschäftsbeziehungen

Geflügelfarmer Augustine Amankwaah steht mitten in einem riesigen Stall. Tausende Hühner picken Futter aus großen Trögen. Amankwaah ist Geschäftsführer der AMAS Farm in der Nähe von Accra – einer der letzten Geflügelfarmen in Ghana, die noch nicht aufgegeben haben. Nach acht Wochen Zucht und Verarbeitung kostet ein Huhn von der AMAS Farm rund 3,60 Euro. Ausländische Produzenten bieten das gleiche Huhn im Schnitt für weniger als die Hälfte an. Solche Dumpingpreise haben dazu geführt, dass Ghanas Geflügelbauern nur noch einen Marktanteil von zehn Prozent haben – im eigenen Land.

„Es ist ein gnadenloser Wettbewerb. Die internationalen Produzenten wollen ihr Geflügel hier günstig verkaufen – und wir müssten unsere Kosten reduzieren, damit wir mithalten können. Aber unser Geflügel ist einfach zu teuer – es beginnt schon damit, dass wir Tagesküken zukaufen müssen. Unser Produkt ist am Ende einfach teurer als das importierte Fleisch, und deshalb sind wir nicht wettbewerbsfähig.“

Ein gnadenloser Wettbewerb

Die Importe hätten in Ghana alles durcheinandergebracht – die Märkte und die Produktion, sagt Henry Anim-Soumah, Agrarwissenschaftler der University of Ghana. Mittlerweile importiert Ghana im Jahr rund 165.000 Tonnen Fleisch – aus den USA, aus Brasilien, aus der Europäischen Union. Allein 90.000 Tonnen davon sind Geflügelteile.

„Mit dem Import von Geflügel ging es hier in Ghana nach der großen Dürre von 1983 los. Erst waren es nur Hühnerbeine und -füße, dann kamen bald die ersten verarbeiteten und tiefgefrorenen Produkte auf den Markt. In den Neunzigern kam es dann zu einem Boom von US-amerikanischen Importen, besonders Hähnchenschenkel und –flügel sind seitdem sehr beliebt. Das sind die Produkte, die man mittlerweile überall auf unseren Märkten findet und die alles andere fast verdrängt haben.“

Seit 2009 haben sich die Hähnchen-Exporte aus Europa in Richtung Afrika verdreifacht. Allein vom Geflügel, das Deutschland in die EU ausführte, landeten im vergangenen Jahr mehr als 48.000 Tonnen auf dem afrikanischen Kontinent: Hälse, Flügel, Innereien. Reste, die in Europa, wo sich alle auf das fettarme Hähnchenbrustfilet stürzen, niemand essen will – die aber in Ghana begehrt sind.

Afrikas Märkte sind viel zu schwach

Fleischimporte wie in Ghana sind auch die Folge der Wirtschaftspartnerschaft, die die EU mit afrikanischen Ländern aushandelt. Das sogenannte Economic Partnership Agreement, kurz EPA, legt fest, dass diese Länder ihre Märkte bis zu 83 Prozent für europäische Importe öffnen und Zölle und Gebühren abschaffen müssen. Wer nicht mitmacht, dem drohen Währungsfonds und Weltbank schon mal mit Kreditsperre. Im Gegenzug sollen die afrikanischen Länder weiterhin zollfreien Zugang zu Europas Märkten erhalten. Zumindest versprechen das die Brüsseler Behörden. Studien belegen jedoch: Afrikas Märkte sind viel zu schwach.

Die AMAS Farm in der Nähe von Accra steht mittlerweile kurz vor dem Aus. Einige Angestellte hat Augustine Amankwaah schon entlassen müssen. Die Geflügelproduktion sei nicht mehr rentabel, sagt er. Ghanas Bauern müssten zuschauen, wie die ausländischen Konzerne den Markt beherrschten – und wie ihre eigene Lebensgrundlage wegbricht.

„Viele Kollegen gehen pleite. Die Kosten sind zu hoch. Wer nicht genug Kapital hat, muss früher oder später einpacken. Viele wollen Ghana sogar verlassen. Andere Farmer finanzieren sich noch mit Geld aus der Familie, und wenn es da irgendwo hakt, sind die Reserven schnell aufgebraucht. Lange kann sich da niemand über Wasser halten, und dann ist es bald vorbei mit dem Geschäft.

http://www.deutschlandfunk.de/das-maerchen-vom-fairen-handel-wie-die-eu-ghanas.697.de.html?dram:article_id=339778

 

KükenVideo
Kraftfutter und Antibiotika prägen das Leben zahlloser Küken in Deutschland
Was vom Hühnchen übrig blieb
Geflügelreste ruinieren die Märkte in Afrika
Afrika sei für Geflügelfleischreste aus Deutschland und dem Rest der EU zum wichtigsten Exportmarkt geworden, erklärt Francisco Marí.
„Überall dort, wo wir uns bemühen, eine von Importen unabhängige Lebensmittel-Produktion aufzubauen, wird das zum Problem“, klagt der Agrarhandelsexperte bei „Brot für die Welt“. Deutschland reihe sich dabei ein in ähnliche Exportströme auch aus Frankreich, Belgien oder den Niederlanden.
2012 führten deutsche Geflügelhersteller 445.000 Tonnen Fleisch ins Ausland aus, 322.000 Tonnen davon in die EU-Länder. Mehr als die Hälfte kam aus Niedersachsen – Deutschlands Hühnerstall Nummer eins, wenn es um industrielle Mästung geht. 47.000 Tonnen des Fleisches – ein Zehntel der Exporte – endeten in Afrika.
Die in Europa unverkäuflichen Teile landen in Afrika
Geschlachtete HühnerVideo
Hühnerschenkel will in Deutschland kaum noch jemand essen

Neun von zehn Hühnerfarmern in Ghana haben bereits aufgegeben. Hühnerfleisch aus Europas Agrarfabriken ist viel billiger. „Es ist der Druck aus der Europäischen Union und von der Welthandelsorganisation“, schildert Dr. King David-Amoah vom ökumenischen Netzwerk Ghana. „Sie schreiben uns genau vor, was wir machen dürfen.“

„Die Regierungen in Ländern wie Ghana müssen entscheiden, ob sie entweder billiges Fleisch für die eigenen Konsumenten einführen oder ob sie ihre eigenen Geflügelbauern unterstützen wollen“, sagt Jan Odink, Vorsitzender der Niederländischen Geflügelverarbeitungsindustrie. „Die meisten Länder entscheiden sich am Ende für das billigere Importfleisch, weil ihnen die Bedürfnisse der Konsumenten wichtiger sind, als die Not der eigenen Geflügelzüchter.“ In Ghana kommen jährlich 90.000 Tonnen aus der ganzen EU an – noch 9000 Tonnen.
Ghana bekomme „einiges an Unterstützung“ aus Europa, um den Staatshaushalt zu entschulden. „Wenn wir diese Hilfe annehmen, ist es andererseits problematisch zu sagen, Europa darf keine Produkte wie Hühnerfleisch bei uns verkaufen.“ Jedes fünfte verkaufte Hähnchen in Europa landet als ganzes auf dem Tisch. Die Europäer nutzen vor allem das Brustfilet, teils auch Schenkel und Hühnerschnitzel.
Dort findet sich auch ein Markt, schildert ein Händler: „Die Bauern hier sagen uns, wir machen keine Hühnerschenkel, wir verkaufen nur ganze Hühner. So konnten wir bis jetzt keine Hühner aus Ghana verkaufen.“Ein ganzes Huhn bringt in Ghana 4,90 Euro. Notwendig wären 5,70 Euro, sagen Verkäufer in Ghana.
Die Resteimporte aus den Industrieländern ruinieren nicht nur die lokale Geflügelzucht in Afrika – sie können auch eine Gefahr für die Gesundheit sein. Die große Hitze und häufige Stromausfälle machen es fast unmöglich, das Fleisch ununterbrochen zu kühlen. Weil hierzulande das Futter nicht reiche, werde zudem Regenwald zerstört, um Soja für Dutschland zu produzieren, sagt Hubert Weiger vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).
http://www.3sat.de/page/?source=/nano/astuecke/122605/index.html
© WDR/Bildersturm FilmproduktionLupe
Hühnermarkt in Ghana: Das europäische Hühnerfleisch taut langsam.
HühnerWahnsinn
Das eiskalte Geschäft mit dem Geflügel
90.000 Tonnen gefrorene Hühnerteile importiert Ghana jährlich, produziert in den Schlachthäusern Europas oder Amerikas. Die Schwemme der Hühnerteile aus den Industrienationen zerstört in den afrikanischen Entwicklungsländern die lokalen Märkte, treibt dort Hühnerfarmer und verarbeitendes Gewerbe in den Ruin.
Lokale Märkte brechen zusammen

2004 kostete ein Kilo Hühnerfleisch in Ghana umgerechnet 1,50 Euro. Möglich werden solche Dumpingpreise, weil europäische und amerikanische Firmen im großen Stil Hühnerteile nach Afrika exportieren. Tiefgefroren gelangen die Hühner aus Brasilien, den USA, Holland und Frankreich in die afrikanischen Märkte und zerstören einen ganzen Wirtschaftszweig. Von den Futtermittelherstellern über die Hühnerfarmen, bis zu Händlern, Schlachtern und Rupfern – viele Menschen lebten einst von der Geflügelproduktion. In Akra (Ghana) auf dem Ganeshi Markt wurden früher 3.000 lebende Hühner pro Tag verkauft. Seit der Importschwemme ist das Geschäft vollkommen zusammengebrochen, genauso wie die Betriebe, die indirekt vom Geflügel lebten.

© WDR/Bildersturm FilmproduktionLupe
Hühnerfarm in der Bretagne

1.000 Tonnen Hühnerteile aus den Industrienationen werden pro Monat alleine in ein Kühlhaus in Akra importiert. In den Industrienationen werden die Hühnerzüchter und Futtermittelhersteller zum Teil mit Steuermitteln subventioniert. Geldern, die den ärmsten der Armen nun der Garaus machen. Heute, nach dem Ansteigen der Lebensmittelpreise in den letzten Jahren, kostet Hühnerklein in Akra etwas mehr. Doch mit 2,70 Euro ist importiertes Geflügel immer noch fast doppelt so teuer wie lokal produziertes.

Mit Dumpingpreisen zum Monopol?

Doch woher stammen die Dumpinghühnchen? Bei der Wahl, ob es „Brust oder Keule“ geben soll, haben sich die Deutschen eindeutig entschieden: Nirgendwo wird so viel Hähnchenbrust gegessen wie in Deutschland. Schätzungsweise 80 Prozent des in Deutschland im Supermarkt verkauften Hähnchens ist Brustfleisch. Der Reste geht oft nach Afrika. Doch die Tiefkühlhändler vor Ort verdienen nur wenig an dem Importhuhn. Vor allem Züchter in den Industrienationen und die Speditionen machen den wirklichen Gewinn bei diesem fragwürdigen Geschäft. Rudolf Bunzel vom evangelischen Entwicklungsdienst vermutet hinter den Machenschaften ein System: Wenn mit Dumpingpreisen erst ein Monopol auf dem lokalen Markt geschaffen wurde, ließen sich die Preise bald darauf anheben, um mehr Gewinn zu machen.

85 Prozent des Fleisches nicht zum Verzehr geeignet
Lupe
Einer von vielen Kleinbetrieben in Ghana

Neben dem Zusammenbruch der lokalen Märkte haben die Tiefkühl-Importe auch noch andere negative Auswirkungen: In einem Land ohne eine funktionierende Kühlkette ist tiefgefrorenes Hähnchen ein erhebliches Risiko. Die Menschen erkranken an dem Verzehr von verdorbenem Hähnchen. Auch nimmt man es bei den Exporten nach Afrika mit den Mindesthaltbarkeitsdaten vermutlich nicht so genau. Verbindliche Hygienevorschriften gibt es in Afrika selten. In Kamerun wurde Ende der 90er Jahre bei Kontrollen festgestellt, dass von 200 Tiefkühlhähnchen-Stichproben 85 Prozent des Fleisches nicht zum menschlichen Verzehr geeignet waren.Daraufhin verbot Kamerun den Import von Tiefkühlhähnchen. Ghana hat diesen Schritt noch nicht vollbracht. Die Welthandelsorganisation und die Industrienationen bestehen auf einem „freien Fluss der Waren“ – gemeint sind meistens ihre Waren. Schnell wird die Abschottung der Märkte mit dem Einfrieren von Krediten quittiert. Oliver de Schutter, Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen, sieht die einzige Chance, welche Entwicklungsländer in einer globalisierten Welt haben, in dem Schutz der lokalen Narungsmittelproduktion. Dieses sei eine absolut wichtige Voraussetzung.

IWF und EU schlachteten Ghanas Hühnerindustrie

Doch die Realität sieht anders aus. Ghana beschloss 2003, die Importzölle auf Geflügel und Reis zu erhöhen. Der Internationale Währungsfond (IWF) schaltete sich ein und forderte, die ghanaische Regierung solle das Gesetz noch einmal überdenken. Andernfalls müsse der IWF die Vergabe neuer Kredite an Ghana prüfen. Die Zölle seien nicht zur Armutsbekämpfung geeignet. Dieser Meinung war auch die Europäische Union. Pascal Lamy, ehemaliger EU-Handelskommissar und heute Chef des IWF, reiste im April 2003 nach Accra, verstärkte den Druck auf die Regierung, welche wenige Monate später aufgab. Der IWF versetzte der ghanaischen Geflügelindustrie den Todesstoß. Inzwischen haben die Verantwortlichen des IWF dieses sogar zugegeben. In einem Papier heißt es: „Es scheint, dass unsere Mitarbeiter unzureichende Informationen hatten, um die Maßnahme (die Zollerhöhung) richtig zu beurteilen. Im Nachhinein stellt sich der Hühnersektor viel verletzbarer durch Importe dar, als unsere Mitarbeiter glaubten.“

Was bedeutet europäischer Wahnsinn für Afrika?

Sehen Sie am Montag, 13. September 2010, von 20.15 Uhr an den Film „HühnerWahnsinn“. Er verfolgt die Hühner-Teile auf ihren verschlungenen Wegen von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden nach Afrika. Am Beispiel Ghana und Togo wird dokumentiert, welche Auswirkungen die Exporte auf die örtlichen Märkte haben und was der europäische Hühnerwahnsinn für die Menschen dort bedeutet. Der Film gibt aber auch einen Einblick in ein Geschäft, in dem täglich Hunderttausende Hühner vom Schnabel bis zur Kralle verarbeitet werden. Der Druck auf die Hühnerzüchter wächst nicht nur in Afrika: Riesige Mengen von tief gefrorenem Hühnerfleisch aus Brasilien werden inzwischen billig nach Europa verschifft und vernichten selbst in traditionellen Hühnerzuchtgegenden immer mehr Arbeitsplätze. Autor Joachim Vollenschier zeigt ein globales Hähnchen-Roulette, das in einer Verkettung von Wellnesswahn und Geschäftemacherei die Existenz und Gesundheit von Menschen ruiniert.

http://www.3sat.de/page/?source=/ard/sendung/147509/index.html

Hühnerwahnsinn – Das eiskalte Geschäft mit Geflügel

  • Isigami Ismet
  • 5 Videos
  • 1.075 Aufrufe
  • Zuletzt am 28.09.2013 aktualisiert
Brust oder Keule? Die Deutschen haben sich eindeutig entschieden. Seit dem Trend zur fettarmen Ernährung werden nirgendwo so viel Hähnchenbrüste gegessen wie in Deutschland.
https://www.youtube.com/playlist?list=PLD57DF05CFA0535DA

Kritischer Blick aus der Schweiz auf rohstoffexportierende Länder und mangelnde Teilhabe der Bevölkerungen

Rohstoffhandel

Rohstoffe sind von grundlegender Bedeutung für die Weltwirtschaft und von zunehmender politischer Brisanz. Viele ressourcenreiche Länder bleiben trotz Bodenschätzen arm und leiden häufig unter …»

Rückblick von der Weltkakao-Konferenz: Gute Absichten ohne Plan

Rückblick von der Weltkakao-Konferenz: Gute Absichten ohne Plan

11. Juli 2014 — Vom 9.-13. Juni 2014 fand in Amsterdam die zweite Weltkakaokonferenz statt. Dort wurde erneut bestätigt, dass es mittelfristig zu Kakao-Engpässen am Markt kommen wird, wenn jetzt keine Gegenmassnahmen …»

Neuer globaler Rohstoff-Standard beschleunigt Transparenz-Trend

22. Mai 2013 — Die globaleTransparenzbewegung gewinnt weiter an Fahrt. So umfasst die heute in Sydney unterzeichnete Reform der „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI) neben Zahlungsströmen aus der …»

GV-Aktion: Faire Riesen-Schoggi soll Lindt auf die Sprüngli helfen

18. April 2013 — Tausende von Menschen haben mit ihrem Namen zur grössten fairen Schweizer Schoggitafel beigetragen. Diese wurde dem Vorzeigekonzern Lindt an seiner heutigen Generalversammlung (GV) stellvertretend für …»

Cocoa Barometer 2012: Drohende Versorgungslücke für Industrie wurzelt in Verarmung von Westafrikas Kleinbauernfamilien

5. Dezember 2012 — Dass Kakaobauernfamilien in der Elfenbeinküste und Ghana deutlich unter der Armutsgrenze leben, ist eine wichtige Ursache von missbräuchlicher Kinderarbeit wie auch der absehbaren Rohstoffengpässe der …»

Schoggi-Umfrage: Schweizer Firmen bleiben Antworten schuldig, fordern an Kakao-Weltkonferenz in Westafrika aber mehr Nachhaltigkeit

20. November 2012 — Mitte Oktober verschickte die EvB an 19 Schweizer Schokoladeproduzenten Fragebögen zum Thema Beschaffungspolitik mit Fokus auf Arbeits- und Menschenrechte. Bis zur Deadline blieben über die Hälfte der …»

Globale Kakao-Industrie versagt: Kinder- und Zwangsarbeit bleiben die Regel

16. September 2011 — 2001 verpflichtete sich die globale Schokoladenindustrie in einem Sechs-Punkte-Plan dazu, den schlimmsten Formen von Kinder-und Zwangsarbeit in der Kakao-Produktion ein Ende zu setzen. Zehn Jahre …»

Neue Studie zeigt: Kinderarbeit auf Kakaofarmen bleibt Riesenproblem

5. Oktober 2010 — Zwangsarbeit von und Menschenhandel mit Kindern bleiben bittere Bestandteile unserer süssen Schoggi. Der eben erschienene Bericht der Tulane-University belegt die schlimmsten Formen von Kinderarbeit …»

EvB-Umfrage zeigt: Nestlé schweigt und übrige Schweizer Schoggi-Firmen verstecken sich hinter Vorzeigeprojekten

21. Juni 2010 — Die letztjährige Osterkampagne der Erklärung von Bern (EvB) hat die Schweizer Schokoladeproduzenten aufgerüttelt: 10 von 18 Firmen haben unseren neuen Fragebogen zu Nachhaltigkeit und sozialer …»

Ein unverfälschter Blick auf fremde Kulturen

31. August 2001 — Im Frühling 2001 hat die BAOBAB-Kinderbuchreihe von Nagel & Kimche zu ATLANTIS verlag pro juventute gewechselt. In der Reihe des Kinderbuchfonds BAOBAB in Basel erscheint seit 1989 Kinder- und …»

Ghana – Ein Land lebt vom Kakao

Ghana – Ein Land lebt vom Kakao

Ghana liegt in Westafrika am Golf von Guinea und grenzt an die Nachbarländer Elfenbeinküste, Burkina Faso und Togo. Das tropische Klima eignet sich ideal für den Anbau von Kakao, der eine wesentliche Rolle für die Wirtschaft des Landes spielt. Mit einer Produktion von etwa 850.000 Tonnen Kakao pro Jahr, ist Ghana weltweit der zweitgrößte Produzent. Etwa eine Millionen Kleinbauern und -bäuerinnen bauen Kakao an. Eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kakaobauern kann somit wesentlich zur Bekämpfung von Hunger und Armut in Ghana beitragen. Politische Situation in Ghana ist stabil Ghana gilt heute als politisch stabiles und demokratisches Land. Im Jahr 2008 gab es faire und freie Parlamentsund Präsidentschaftswahlen, die John Atta Mills gewann. Auch die Wahl des derzeitigen Präsidenten John Dramani Mahama Ende 2012 ging rechtmäßig vonstatten. Die Anzahl von Nichtregierungsorganisationen hat in den vergangenen Jahren zugenommen, wobei Kakaobauern kaum organisiert sind, um für ihre Rechte einzutreten. Zudem gibt es eine weitestgehend freie Presse. Beim aktuellen Korruptionsindex von Transparency International liegt Ghana auf Platz 64 und damit im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern relativ weit vorne. Armut auf dem Land ist nach wie vor hoch Anfang der 1990er Jahre leitete die damalige Regierung einen umfassenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformprozess ein. Das Land erfuhr einen Aufschwung: Allein zwischen 1998 und 2008 wuchs das Bruttoinlandsprodukt durchschnittlich um mehr als 5 %, wobei das Pro-Kopf-Einkommen jährlich um 2,9 % zunahm. Die Wirtschaftskrise führte zwar in den Jahren 2009 und 2010 zu geringeren Wachstumsraten, doch hat sich die ökonomische Situation wieder stabilisieren können. 2008 hatten 53,6 % der Bevölkerung weniger als 2 US-Dollar am Tag zur Verfügung und 30 % sogar weniger als 1,25 USDollar. Dabei besteht eine große Schere zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung. So profitieren die Menschen, die in den Städten oder in exportorientierten Sektoren arbeiten, stärker von den ökonomischen Erfolgen. Wesentlich geringer ist die Teilnahme am Wirtschaftswachstum der Menschen in ländlichen Gebieten und in den Zweigen, die vor allem für den Binnenmarkt produzieren. So liegt in einigen ländlichen Regionen die Rate der Menschen, die unter extremer Armut leiden, bei über 60 %. Das Land steht somit weiterhin vor gewaltigen Herausforderungen: Der „Menschliche Entwicklungsindex“ (Human Development Index – HDI), der hauptsächlich aus dem Pro-Kopf-Einkommen, der Lebenserwartung und dem Bildungsstand der Bevölkerung berechnet wird, platziert Ghana auf Rang 135 von 186 erfassten Staaten (2013).

Zahlen & Fakten Offizieller Name Republik Ghana Unabhängigkeit 06.03.1957 Lage Westafrika Nachbarländer Elfenbeinküste, Burkina Faso, Togo Amtssprache Englisch Währung Cedi Hauptstadt Accra Fläche 238.537 km² Einwohnerzahl 25,37 Mio Lebenserwartung (2012) 61 Jahre Bruttoinlandsprodukt (2012) 40,71 Mrd. US-Dollar Wirtschaftswachstum (2012) 7,9 % Anzahl Kakaobauern circa 1 Millionen [Hintergrund: Ghana und Kakao] INKOTA-netzwerk e.V., Chrysanthemenstraße 1-3, D-10407 Berlin Tel.: 030-420 820 2-0, Fax: 030-420 820 2-10, E-Mail: inkota@inkota.de [www.inkota.de]

Kakao als das Rückgrat der ghanaischen Landwirtschaft

Für die ländliche Bevölkerung Ghanas, die mehr als die Hälfte der Einwohner des Landes ausmacht, trägt der Anbau und Handel von Kakao wesentlich zur Lebensgrundlage bei. Schätzungen zufolge bauen zwischen 700.000 und 1 Million Bauern und Bäuerinnen Kakao an. Mehrheitlich handelt es sich dabei um kleinbäuerliche Betriebe, die etwa 1 bis 5 Hektar bewirtschaften und etwa 1.000 Kilogramm Kakaobohnen pro Jahr ernten. Der Ertrag liegt somit durchschnittlich bei 400 Kilogramm je Hektar. Zusätzlich arbeiten etwa 3 Millionen Menschen im Kakaoanbau (z.B. als Erntehelfer) sowie in dem damit verbundenen Handel, der Weiterverarbeitung und der Herstellung von Geräten und anderen Materialien. Steigende Kakaomengen Im Jahr 2010/2011 exportierte Ghana etwa 1.026.000 Tonnen Kakao. Damit hat sich die Exportrate innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Seit der Unabhängigkeit Ghanas ist der Export von Kakao die Hauptquelle für Deviseneinnahmen. Statistiken über die Kakaoernte in Ghana sind nur begrenzt aussagekräftig, da jedes Jahr unbekannte Mengen an Kakao aus Ghana herausgeschmuggelt werden. Die Bauern erhielten in den vergangenen Jahren zeitweise bessere Preise für den Kakao, wenn er über Togo und die Elfenbeinküste auf dem Weltmarkt verkauft wurde. Staatliches Vermarktungsmonopol Das staatlich regulierte Cocoa Marketing Board (COCOBOD) regelte den Handel innerhalb Ghanas und legte den Kakaopreis fest. Lange Zeit stellte es die einzige Institution dar, die den Bauern ihren Kakao abkaufte. Mittlerweile können auch private Abnehmer nach dem Erwerb einer Kauflizenz im ghanaischen Kakaomarkt partizipieren, allerdings weiterhin nach strengen staatlichen Auflagen. Das COCOBOD ist auch heute weiterhin der wichtigste Aufkäufer von Kakao. Trotz des Aufbaus einer weiterverarbeitenden Industrie für Kakao ist der größte Teil der Verarbeitungskapazitäten (60 %) in der Hand von ausländischen multinationalen Unternehmen. Damit verbleibt ein erheblicher Teil der Gewinne nicht in Ghana. Niedrige Einkommen und steigende Armut Laut einer Studie der Universität von Ghana standen den Kakaobauern im Jahr 2006 pro Tag nur 0,63 US-Dollar zur Verfügung. Damit lebt der größte Teil der Bauern samt ihren Familien weit unterhalb der Armutsgrenze. Neuere Daten sind zum Teil widersprüchlich, doch insgesamt hat sich die Situation der Bauern in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verbessert. Bauern, die den Großteil ihres Lebensunterhalts durch den Anbau von Kakao bestreiten, sind in erheblichem Maße von den Entwicklungen des Weltmarktpreises von Kakao abhängig. Bereits Preisschwankungen um wenige Prozent können die Zahl der Armen deutlich erhöhen. Zudem zahlt das COCOBOD den Bauern lediglich 70 % des Weltmarktpreises. Was der Bauer am Ende für seinen Kakao erhält, reicht somit oftmals nicht zum Leben aus. Außerdem ist der Nachschub von Kakao stark gefährdet: Das Durchschnittsalter der Bauern liegt aktuell bei über 50 Jahren, da die Nachkommen der Bauernfamilien den Anbau von Kakao nicht mehr als sichere und gewinnbringende Einkommensquelle erachten und in andere Agrarsektoren (z.B. Kautschuk) oder in die Städte abwandern. Ausbeuterische Kinderarbeit Kinderarbeit im Kakaoanbau ist weiterhin ein weit verbreitetes Phänomen in Ghana. Im Jahr 2009 arbeiteten fast 1 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen, 270.000 von ihnen unter Bedingungen, die laut den ILO-Konventionen 138 und 182 verboten sind. Der größte Teil der Kinder (88 %) arbeitet als unbezahlte Arbeitskraft für die Eltern. Die Kakaobauern nennen als Hauptursache für die wirtschaftliche Ausbeutung von Minderjährigen ihre finanzielle Notlage. Der Preis für Kakao sei demnach zu niedrig, um die Ausgaben für Saisonarbeitskräfte, Dünger und Pestizide decken zu können. Die Gesundheitsrisiken sind zudem erheblich: Die Kinder verrichten gefährliche Arbeit durch die Nutzung von scharfen Werkzeugen und giftigen Pestiziden und das Tragen schwerer Kakaosäcke. Ein Schulbesuch ist oft nicht möglich. [Hintergrund: Ghana und Kakao] INKOTA-netzwerk e.V., Chrysanthemenstraße 1-3, D-10407 Berlin Tel.: 030-420 820 2-0, Fax: 030-420 820 2-10, E-Mail: inkota@inkota.de [www.inkota.de]

Weiterführende Informationen: Literatur o Hütz-Adams, Friedel (2011): Vom bitteren Kakao zur süßen Schokolade. Der lange Weg von der Hand in den Mund. Südwind e.V. o Hütz-Adams, Friedel (2012): Vom Kakaobaum bis zum Konsumenten. Die Wertschöpfungskette von Schokolade. Südwind e.V. o Hütz-Adams, Friedel/ Fountain, Antony (2012): Cocoa Barometer 2012 o Payson Center for International Development and Technology Transfer, Tulane University (2011): Oversight of Public and Private Initiatives to Eliminate the Worst Forms of Child Labour in the Cocoa Sector in Côte d’Ivoire and Ghana

Dokumentationen o 3Sat-Sendung: Schuften für Schokolade: http://www.3sat.de/mediathek/index.php?display=1&mode=play&obj=17898 o Miki Mistrati: Schmutzige Schokolade, Teil 1: http://www.ardmediathek.de/das-erste/reportagedokumentation/schmutzige-schokolade?documentId=8577084 o Miki Mistrati: Schmutzige Schokolade, Teil 2: http://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/minuten757.html o BBC: Chocolate – The Bitter Truth (englisch): http://www.youtube.com/watch?v=LD85fPzLUjo&playnext=1&list=PLA5F7D4302C9ED514&feature=results_ main

http://www.inkota.de/fileadmin/user_upload/Themen_Kampagnen/Make_Chocolate_Fair/INKOTA_MCF__Hintergrund_Ghana_2013.pdf