In Ghana betrieben europäische Kolonialherrscher drei Jahrhunderte lang den größten Sklavenhandel Afrikas – 1820 erklärten die Briten Ghana unter dem Namen „Goldküste“ zu ihrer Kolonie. Trotz einheimischer Widerstände waren die Ghanaer zunächst machtlos gegen die überlegene Besatzungsmacht. Die Geschichte des unabhängigen Ghanas begann mit dem Politiker Kwame Nkrumah. Er setzte sich an die Spitze der Widerstandsbewegung, organisierte Streiks und Boykotte und war somit maßgeblich daran beteiligt, dass sich Ghana am 6. März 1957 als erstes schwarzafrikanisches Land von der Kolonialherrschaft befreite.

Afrika

Ghana

In Ghana betrieben europäische Kolonialherrscher drei Jahrhunderte lang den größten Sklavenhandel Afrikas. Doch Ghana war auch einer der ersten Staaten Afrikas, der sich seine Unabhängigkeit erkämpfte. Früher wurde das Land auch „Goldküste“ genannt, denn in den Böden und Flüssen fanden die damaligen Kolonialherren riesige Goldvorkommen. Auch heute noch ist Ghanas wichtigstes Exportgut Gold.

Ghanas Geografie

Ghana liegt am Golf von Guinea: dort, wo der Atlantische Ozean im Norden und im Osten auf die Küsten der westafrikanischen Länder trifft. Das Land grenzt im Westen an die Elfenbeinküste, östlich an Togo und im Landesinneren an Burkina Faso. Im Vergleich ist Ghana ungefähr so groß wie Großbritannien, mit dessen Geschichte es durch die Kolonialzeit eng verbunden ist. Das Land zählt etwa 25 Millionen Einwohner und ist in zehn Verwaltungseinheiten aufgeteilt, vergleichbar mit den Bundesländern in Deutschland.

Ein ghanaischer Fußballfan feiert seine Mannschaft beim African Cup 2015 beim Spiel gegen Algerien

Ein Fußballfan feiert in ghanaischen Farben

Im Süden des Landes, an der Küste, liegt Ghanas Hauptstadt Accra. Sie wurde von einem afrikanischen Händlervolk gegründet, den Ga. Als Ackerbauern betrieben sie an der Küste Landwirtschaft und wollten mit den portugiesischen Seefahrern Handel treiben, die damals die Westküste Afrikas erkundeten. Heute zählt Accra mehr als drei Millionen Einwohner. Die Stadt wächst rasant, denn viele Menschen ziehen mit der Hoffnung auf Arbeit von den Dörfern in die Hauptstadt.

Sprache und Bildung

Die Amtssprache in Ghana ist englisch, ein Erbe der britischen Kolonialmacht. Englisch wird in Ghana von allen Menschen mit Schulbildung gesprochen, alles in allem von rund 60 Prozent der Bevölkerung. Im Land besteht Schulpflicht und das erklärt, warum die meisten qualifizierten ausländischen Arbeiter in westafrikanischen Ländern aus Ghana stammen: Ingenieure, Ärzte, Piloten, Lehrer, Krankenschwestern, Maurer, Mechaniker,…

Kofi Annan.

Kofi Annan

Der berühmteste Ghanaer ist Kofi Annan. Er war bis 2006 Generalsekretär der Vereinten Nationen. Für seinen Einsatz zur Verbesserung der Menschenrechte und für den Weltfrieden wird Annan von vielen Menschen in Ghana als Volksheld verehrt. Er ist an einem Freitag geboren – das erkennt man an seinem Vornamen Kofi. In Ghana werden die Menschen nach dem Tag ihrer Geburt benannt und so gibt es im Grunde nur vierzehn Vornamen: sieben für Männer und sieben für Frauen.

Reich an Landschaften…

Ghana ist ein tropisches Land, das klimatisch vom nahen Äquator beeinflusst wird. So gibt es in Ghana keine vier Jahreszeiten, sondern nur eine trockene und eine feuchte Jahreszeit. Die Trockenzeit ist sehr heiß, die Regenzeit schwül-warm. Die Landschaften in Ghana wechseln schnell: Es gibt Dickicht, Grasland, Savanne und auch Regenwald. Vor allem in den tropischen Wäldern ist vieles noch weitgehend unerforscht. Dort gibt es uralte riesige Bäume und exotische Pflanzen.

Ursprünglich war der Regenwald in Ghana viel größer als heute, aber nach dem Zweiten Weltkrieg brauchte Ghanas Kolonialmacht Großbritannien Geld. Die Edelhölzer wurden gefällt, weitflächige Kakao- und Kaffeeplantagen angelegt und große Areale für Ananasfarmen gerodet. Auch heute exportiert Ghana noch Kaffee, Tee, Kautschuk, Zuckerrohr und Kakao in den Westen. Das Land an der Westküste Afrikas ist nach der Elfenbeinküste weltweit der zweitgrößte Produzent von Kakao. Zurück importiert werden weiterverarbeitete Produkte: Schokolade, aber auch zum Beispiel Seife und Autoreifen. Dadurch kann sich Ghana, wie viele andere afrikanische Länder auch, wirtschaftlich schlecht weiterentwickeln.

… und Bodenschätzen

Kakaopflanze.

Ghana ist der zweitgrößte Exporteur von Kakao

Ghana versucht heute, sich von den Monokulturen aus der Kolonialzeit zu trennen und konzentriert sich mehr auf seine einheimischen Produkte wie Sheabutter, Baumwolle und Kolanüsse. Auch die Viehzucht gewinnt an Größe, vor allem Schafe, Rinder und Ziegen werden im ganzen Land gezüchtet. Mit seinen fruchtbaren Böden ist Ghana ein agrarwirtschaftliches Land, über die Hälfte der Bevölkerung ist hier beschäftigt. Im Küstengebiet ist auch die Fischerei ein großer Wirtschaftszweig.

Gold ist und bleibt das wichtigste Exportgut des Landes. Es macht über 30 Prozent vom gesamten Export aus. Ghana besitzt eine Vielzahl unterschiedlicher Bodenschätze, deren Reserven bisher wenig oder noch gar nicht aus dem Boden geholt werden. Manche Experten nennen Ghana deswegen ein „geologisches Wunder“: Blei, Zinn, Kupfer, Tantalit, Kolumbit, Quecksilber, Öl, Erdgas und Eisenerz liegen noch verborgen und warten auf kostspielige Investitionen.

Sklavenhandel an der Küste Westafrikas

Sklavenburg Elmina.

Die ehemalige Sklavenburg Elmina an der Küste Ghanas

Die Geschichte Ghanas reicht sehr weit zurück. Vor 40.000 Jahren gab es dort die ersten Siedlungen. Im Mittelalter wird von dem großen Königreich Alt-Ghana berichtet, wo die heutigen Republiken Mauretanien, Senegal und Mali liegen. Es gehörte damals zu den einflussreichsten Mächten in Westafrika. Die ersten Europäer kamen im 15. Jahrhundert nach Ghana. Sie müssen ziemlich überrascht gewesen sein. Denn statt auf Wilde, Kannibalen und Monster, die laut grausiger Märchen südlich der Sahara wohnten, trafen sie auf das Volk der Ashanti, die keineswegs Anstalten machten, sie zu verspeisen. Sie betrieben Handel und waren berühmt für ihr Gold, ihre Handwerkskunst und vor allem ihre Kriegskunst. Die britische Kolonialmacht brauchte später siebzig Jahre und sieben Kriege, um das stolze Volk im Hinterland der Goldküste zu besiegen.

Die Portugiesen konzentrierten sich zunächst auf den friedlichen Handel mit Gold, Pfeffer und Elfenbein. Aber mit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 entstand für sie im neuen Land ein großer Bedarf an billigen Arbeitskräften für die Tabak-, Baumwoll- und Zuckerindustrie. Ab 1505 begannen die Sklaventransporte. Ghana war mehr als drei Jahrhunderte lang der größte Sklavenumschlagplatz Afrikas. Portugiesische Kaufleute ließen Menschen entführen, auf Schiffe verfrachten und nach Nordamerika verkaufen. Bald beteiligten sich immer mehr andere Europäer am Handel mit Sklaven und Gütern.

Bis heute erinnern die Sklavenburgen entlang der Westküste Afrikas an dieses dunkle Kapitel der ghanaischen Geschichte. Hier wurden die gefangen genommenen Ghanaer unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt, bis sie als Sklaven nach Amerika verschifft wurden. Viele Burgen sind bis heute gut erhalten, einige wurden zu politischen oder kulturellen Einrichtungen umfunktioniert. So ist die Christiansborg der Sitz der heutigen Regierung Ghanas in der Hauptstadt Accra.

Weg in die Unabhängigkeit

Kwame Nkrumah.

Staatspräsident Kwame Nkrumah 1960

1820 erklärten die Briten Ghana unter dem Namen „Goldküste“ zu ihrer Kolonie. Trotz einheimischer Widerstände waren die Ghanaer zunächst machtlos gegen die überlegene Besatzungsmacht. Die Geschichte des unabhängigen Ghanas begann mit dem Politiker Kwame Nkrumah. Er setzte sich an die Spitze der Widerstandsbewegung, organisierte Streiks und Boykotte und war somit maßgeblich daran beteiligt, dass sich Ghana am 6. März 1957 als erstes schwarzafrikanisches Land von der Kolonialherrschaft befreite. Nkrumah wurde zum ersten Staatspräsidenten Ghanas gewählt, aber er war umstritten.

Als Premier Ghanas unterstützte er viele Befreiungsbewegungen auf dem Kontinent, ging auf Konfrontationskurs mit den Westmächten und suchte die Nähe zu Moskau. Er nahm immer stärker die Züge eines Diktators an und führte das Land mit seiner sozialistischen Politik in den Ruin. Fallende Kakaopreise und schlecht finanzierte große Entwicklungsprojekte führten zu chaotischen wirtschaftlichen Bedingungen. 1966 wurde Nkrumahs Herrschaft durch einen Putsch beendet. Anschließend gab es einen Wechsel zwischen Militärherrschaften und demokratisch gewählten Regierungen.

Das schwarze Gold bestimmt die Zukunft

Ein Fischer wirft bei Sonnenaufgang seine Netze ins Meer.

Vor der Küste Ghanas wurde 2007 Öl entdeckt

Ghana gilt als eine der wenigen funktionierenden Demokratien in Afrika und ist damit Vorbild für den ganzen Kontinent. Politisch gilt das Land als stabil, auch die Wirtschaft ist relativ breit aufgestellt. Trotzdem gehört Ghana zu den ärmsten Ländern der Welt. Es hat wie jedes Entwicklungsland mit Schulden, wenig Kapital, fallenden Weltmarktpreisen und einer hohen Arbeitslosigkeit zu kämpfen.

Seit 2007 haben die Ghanaer aber eine neue Perspektive. Vor der Küste wurden Ölfelder entdeckt. Ein Gesetz soll garantieren, dass einheimische Unternehmen ausreichend beteiligt werden. Doch den Großteil der Lizenzrechte haben sich bisher schon ausländische Firmen gesichert. Die Zukunft des Landes wird wohl vom Öl abhängen oder vielmehr von denjenigen, die davon profitieren.

http://www.planet-wissen.de/kultur/afrika/ghana/pwwbghana100.html

Als Preußen in Ghana mit afrikanischen Menschen handelte uns sich Elfenbein und Gold beschaffte! Wir daran erinnern?Ein Muss in Schulunterricht?

Brandenburg gründete vor 325 Jahren eine Kolonie – wie daran erinnert werden soll, ist strittig Roter Adler über Westafrika

POTSDAM. Am 8. Februar soll in Potsdam etwas Ungewöhnliches passieren: Zwei SPD-Landtagsabgeordnete sowie Klaus Selmke, Drummer der Ostrock-Band City, und ein Afrikanistik-Dozent der Humboldt-Universität wollen dann an die koloniale Vergangenheit Brandenburgs erinnern. Auch der Botschafter von Ghana und der brandenburgische Landtagspräsident Gunter Fritsch sind zur Veranstaltung ins Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte geladen.Denn im Frühsommer 1682 waren auf Geheiß des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm die beiden brandenburgischen Fregatten „Morian“ und „Chur Prinz von Brandenburg“ aus dem ostfriesischen Hafen Emden ausgelaufen. Am 1. Januar 1683 hissten die märkischen Kolonialisten die Fahne mit dem Roten Adler an der Westküste Afrikas, nahe dem Dorf Poquesoe. Sie beschlossen, dort eine Befestigungsanlage zu errichten, die bald den Namen Großfriedrichsburg tragen sollte. Fast 40 Jahre bestand diese Kolonie Brandenburgs, von hier aus betrieb das kleine Kurfürstentum Sklavenhandel, besorgte sich Gold und Elfenbein.Anfrage an MinisterinDa diese erste und einzige koloniale Unternehmung eines kleinen deutschen Territorialstaates nun genau 325 Jahre her ist, stellten die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Jens Klocksin und Andreas Kuhnert bereits vor Monaten eine parlamentarische Anfrage an Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). Man solle dieses Thema doch im Unterricht der Sekundarstufe behandeln, schlugen sie vor und regten an, dass das Land in einer würdigen Form jenes Jahrestages gedenken sollte. Doch die Antwort der Ministerin fiel kühl aus. Eine Landesveranstaltung wollte ihr Haus offenbar nicht organisieren und eine Behandlung im Schulunterricht bezeichnete sie lediglich als „möglich“.SPD-Mann Klocksin: „Mit dieser bornierten Antwort waren wir nicht zufrieden.“ Er sieht die Kolonialgeschichte Brandenburgs vielmehr als Anknüpfungspunkt – zum Beispiel für entwicklungspolitische Themen. Und tat sich mit dem Afrikanisten Ulrich van der Heyden zusammen, der das Standardwerk „Rote Adler an Afrikas Küste“ zu dem Thema geschrieben hat. Man stellte auch den Kontakt zu Klaus Selmke her. Der Schlagzeuger der Gruppe „City“ finanziert seit Jahren mit seinem Verein ABC-Brücke Schulprojekte in Princes Town, wie das einstige Großfriedrichsburg heute heißt. Nun machen sie eine eigene Gedenkveranstaltung.Was aber führte die Brandenburger damals an die westafrikanische Goldküste? Man kann sagen, dass es ohne den niederländischen Kaufmann Benjamin Raule jenes Kolonialabenteuer nicht gegeben hätte. Raule hatte Friedrich Wilhelm bei einem Fest kennengelernt, siedelte später nach Berlin über und stellte seine Fregatten unter brandenburgische Flagge – 1680 waren das immerhin schon 28 Schiffe. Das war natürlich nichts gegen die Flotten der Spanier, Portugiesen und Niederländer, die längst zahlreiche Kolonien gegründet hatten. Und doch wollte der Große Kurfürst diesen Mächten nacheifern, manche sprechen auch von „Größenwahn“.Jedenfalls gründete der Kurfürst bald nach der Landnahme die Brandenburgisch-Afrikanische Handelskompanie, die jedoch all die Jahre unter chronischem Geldmangel litt. Von Emden aus transportierte man Steine und Ziegel für den Festungsbau heran. Allein das nötige Kalk gewannen die Märker, indem sie Muscheln brannten, die sie am seichten afrikanischen Strand gesammelt hatten.Um die Staatskasse zu füllen, betrieb auch der Große Kurfürst den Sklavenhandel ohne Skrupel. Etwa 30 000 Schwarze traten in eigens in Havelberg gefertigten Sklavenschiffen – unter Deck zusammengepfercht – die äußerst strapaziöse Reise in die Karibik an. Überlebten die Afrikaner die Überfahrt, wurden sie auf der Antilleninsel St. Thomas zumeist an die Spanier verkauft. Einige „Mohren“ wurden ins Kurfürstentum Brandenburg verschifft und dort als Hausdiener eingesetzt.Doch die westafrikanische Kolonie erwies sich für das arme Brandenburg als Verlustgeschäft. Das Ende dieser seltsamen Episode begann bereits mit dem Tode des Kurfürsten 1688. Sein Vertrauter Raule fiel bei Hof in Ungnade, er wurde gar zeitweilig inhaftiert. „Und es fehlte in Brandenburg ein weltoffenes Bürgertum, das risikofreudig Kapital in gewinnversprechende Unternehmungen, wie den Überseehandel, investiert hätte“, schreibt Ulrich van der Heyden.Hinzu kamen immer mehr Korruptionsfälle. 1717 verkaufte Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, Großfriedrichsburg für zwölf „Mohren“ und 7 200 Gulden an die Holländer. Da eine königliche Quittung über den Erhalt der Kaufsumme erst aus dem Jahre 1721 stammt, gilt dieses Datum als offizielles Ende jenes Kolonialabenteuers. Die mächtige Festungsanlage steht noch heute zu großen Teilen in Princes Town und gehört mittlerweile zum Weltkulturerbe.——————————30 000 Sklaven verkauftBrandenburg unterhielt als einziger deutscher Territorialstaat eine Kolonie. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) wollte damit den großen Seefahrernationen Spanien, Portugal und Holland nacheifern. Doch die Flotte Brandenburgs blieb vergleichsweise bescheiden.Am 1. Januar 1683 begann das koloniale Abenteuer Brandenburgs an Westafrikas Goldküste mit dem Hissen der Fahne mit dem Roten Adler. Es endete offiziell 1721.Der Große Kurfürst wollte mit der Kolonie seine Staatskasse füllen. Doch die Hoffnung erfüllte sich nicht, obwohl unter anderen 30 000 Sklaven in die Karibik verschifft und dort vor allem an Spanien verkauft wurden.Die Festung Großfriedrichsburg, die auf einem Berg im heutigen Ghana errichtet wurde, diente als Stützpunkt für den Brandenburger Handel und das Militär. Sie gab der ganzen Kolonie ihren Namen. Holländer, die die Kolonie 1717 von den Brandenburgern gekauft hatten, eroberten die von Afrikanern besetzte Festung 1724 zurück.Die noch gut erhaltene, aber sanierungsbedürftige Festung gehört heute zum Weltkulturerbe.Mehr Infos im Internet: http://www.grossfriedrichsburg.de——————————Karte: An der Küste von Ghana liegt Princes Town, das frühere Großfriedrichsburg.——————————Foto: Das Buch „Rote Adler an Afrikas Küste“ von Ulrich van der Heyden erschien 2001 als Neuauflage im Selignow Verlag Berlin.——————————Foto: Die Festung Großfriedrichsburg an Afrikas Westküste – zeitgenössische Darstellung von etwa 1688.

http://www.berliner-zeitung.de/brandenburg-gruendete-vor-325-jahren-eine-kolonie—wie-daran-erinnert-werden-soll–ist-strittig-roter-adler-ueber-westafrika-15719720

Ulrich van der Heyden: Rote Adler an Afrikas Küste

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Auch wenn es noch immer gerne betont wird, ein vergessenes Kapitel deutscher Geschichte ist der Versuch des Großen Kurfürsten, mit einer eigenen Handelskompanie am frühneuzeitlichen Überseehandel teilzuhaben, inzwischen nicht mehr. Nachdem sich das Thema zur Zeit des deutschen Kolonialreiches unter Wilhelm II. eines grossen Interesses erfreute, ließ sich doch aus dieser Geschichte so herrlich eine Tradition stricken, die Wilhelms Streben nach dem „Platz an der Sonne“ eine Legitimation verlieh, wurde es von der deutschen Geschichtswissenschaft danach weitgehend vergessen. Seit den 1980er Jahren erlebte es dann allmählich aber seine eigene Wiederentdeckung, ausgelöst durch eine populärwissenschaftliche Darstellung des ehemaligen deutschen Botschafters in Ghana (Hans Georg Steltzer: „Mit herrlichen Häfen versehen“. Brandenburgisch-preußische Seefahrt vor dreihundert Jahren, Frankfurt/Main 1981). Dass der Anteil des Großen Kurfürten an der Europäischen Expansion heute mehr ist als nur eine blasse exotische Erinnerung, ist nicht zuletzt das Verdienst einer zweiten, 1993 erschienen Monographie, deren zweite Auflage hier anzuzeigen ist.

Die Rede ist, trotz der auf den ersten Blick geringen Seitenzahl, von einer umfassenden Darstellung, welche die gesamte Entwicklungsgeschichte des vom Verfasser als „Kolonialabenteuer“ apostrophierten Geschehens einschließlich der Vor- und Rahmenbedingungen und der Nachwirkungen durchaus lebendig wiedererweckt. Sie beginnt mit der Vorgeschichte der unverwirklichten Versuche, als noch der ehemalige VOC-Admiral Gijsels van Lier den Großen Kurfürsten beriet, und fährt mit der großen Bedeutung des seeländischen Reeders Benjamin Raule, auf Grundlage dessen Pläne schließlich die Brandenburgisch-Africanische Compagnie (BAC) 1682 ins Leben gerufen wurde, fort. Den ersten Schwerpunkt bildet die Gründung der Festung Großfriedrichsburg, des Hauptsitzes der Kompanie an der ghanaischen Küste, sowie der drei kleineren Schanzen Accada, Taccrama und Taccorary. Im folgenden stehen Ausbau und Konsolidierung der brandenburgischen Niederlassungen im Mittelpunkt, ohne dass die Verhältnisse in Westafrika zur Zeit der westindischen Kompanien – die BAC konkurrierte immerhin mit den überlegenen Kompanien aus den Niederlanden, aus England und Dänemark – vernachlässigt werden. Auch die weiteren Stützpunkte der Brandenburger in Gestalt der ehemaligen französische Festung Arguin vor der Küste Mauretaniens – kaum mehr als ein sogenannter ‚point of call‘ – und eine kleine Faktorei auf der Karibik-Insel St. Thomas, die sich zu dieser Zeit in dänischem Besitz befand, werden detailliert vorgestellt, bevor die Darstellung dem Sklavenhandel der BAC viel Raum widmet. Für die Kompanie war dieser von zentraler Bedeutung, während aus umgekehrter Sicht ihre Beteiligung am internationalen Sklavenhandel angesichts von vielleicht 30.000 (so die auf Steltzer basierende Schätzung des Verfassers), vielleicht auch nur 15.000 (so die Schätzung des Rezensenten) verkauften Sklaven allenfalls marginal war. Es folgen ausführliche Überlegungen zu den Gründen für den Untergang der Kompanie.

Abgerundet wird die Darstellung durch eine ausführliche, quellenbezogene Vorstellung des „schwarzen Preußen“ Jan Conny, der als Mittelsmann mit der BAC zusammenarbeitete, bevor er nach deren Ende Großfriedrichsburg okkupierte – sicherlich die schillerndste Figur, welche diese Episode der Expansionsgeschichte der Nachwelt anzubieten hat.

Van der Heyden verarbeitet in seinem Buch fast vollständig das durch Veröffentlichungen bekannte Material über die BAC und ihre Niederlassungen. Zusätzliche Archivalien finden, folgt man den gelegentlich etwas willkürlich gesetzten Fußnoten, allerdings keine Verwendung.

Besonders auffällig, und zwar eindeutig im positiven Sinne, ist die Ausstattung des Bandes. Neben zahlreichen aufschlussreichen Zitaten aus zeitgenössischen Akten und Berichten, aus der Rezeptionsgeschichte und aus der modernen Forschung, wird vor allem umfangreiches Bildmaterial angeboten. Der Leser findet eine fast vollständige Sammlung der überlieferten zeitgenössischen Pläne und Ansichten zum Thema. Ergänzt werden diese durch seriöse Illustrationen, sorgfältige Rekonstruktionszeichnungen, Abbildungen aus Museen und nicht zuletzt durch einige Fotographien des Verfassers selbst, die den heutigen Zustand der Festung Großfriedrichsburg, die inzwischen auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes zu finden ist, zeigen.

Alles in allem vermittelt die Kombination aus Darstellung des gegenwärtigen Forschungsstandes, Quellenauszügen und Bildmaterial zwar ein anschauliches Bild der brandenburgischen Afrika-Kompanie, ihrer Aktivitäten und ihrer Besitzungen. Doch in den Wein gehört auch Wermut. Dabei fällt weniger ins Gewicht, dass die Zitate eine Quellenangabe verdient hätten oder die Neuauflage zur aktuellen Ergänzung der Auswahlbibliographie hätte genutzt werden können. Auch die gelegentlich stilistische Schwerfälligkeit, die an den Tonfall einer historischen Seminararbeit erinnert, ist letztendlich eine Randerscheinung. Vielmehr tritt der Wermut in Form dreier deutlich größerer Tropfen in Erscheinung, die zumindest beim Rezensenten einen Nachgeschmack hinterließen.

Zum einen fällt der inflationäre Gebrauch von Begriffen wie ‚Kolonie‘, ‚Kolonialerwerbung‘, ‚Kolonialeroberung‘ etc. auf. Dieser sprachliche Duktus, der schon im Untertitel deutlich wird, scheint doch allzusehr den Kolonialdarstellungen aus dem Kaiserreich entsprungen zu sein. Auch wenn man sich keinen verbindlichen Kolonialismus-Definitionen unterwerfen will, sollte nach dem heutigen Stand der Forschung doch klar sein, dass die Verwendung von Begriffen wie ‚Kolonialherrschaft‘ für das ausgehende 17. und das frühe 20. Jahrhundert hieße, den schon bemühten Wermut mit Traubensaft vergleichen zu wollen. Die Brandenburger verfügten über eine Festung und drei weitere notdürftig befestigte Stützpunkte an der Goldküste. Mit den unmittelbar benachbarten Afrikanern unterhielten sie Beziehungen auf Vertragsbasis, wobei noch auszuzählen wäre, welche Seite die andere häufiger übervorteilte. Nicht selten gerieten diese Beziehungen aus dem Gleichgewicht, dann jedoch zumeist zum Nachteil der Europäer. Die übrigen Gebiete des vom Autor zur „Kolonie Großfriedrichsburg“ erkorenen Küstenstreifens wagten die Brandenburger kaum zu betreten. Von einer Herrschaft über dieselben kann beim besten Willen also nicht die Rede sein.

Tatsächliche Kontrolle hatten sie lediglich über ihre Niederlassungen. Und um nichts anderes handelte es sich im Falle der Brandenburger wie aller anderen Konkurrenten, – um Niederlassungen, wie sie auch in der Logik einer Handelsgesellschaft lagen.

Zum anderen scheint sich der Verfasser, aus welchen unsichtbaren Gründen auch immer, einer gewissen ‚political correctness‘ verpflichtet zu fühlen. Zu finden ist dies bei den Ausführungen, welche die Beziehungen zu den indigenen Einwohnern, insbesondere aber den Sklavenhandel thematisieren. Es scheint eine unausgesprochene Verpflichtung zu geben, dass man nur über solche Dinge schreiben darf, wenn man mindestens einmal pro Doppelseite die Verwerflichkeit des Ganzen betont. Dabei könnte man beispielsweise bei den angelsächsischen Kollegen und Kolleginnen lernen, wie Sklavenhandel oder koloniale Ausbeutung weniger bemüht und dennoch lesbar beschrieben werden kann. Nein, eine solche Selbstverpflichtung wie die oben angesprochene führt häufig nur zu Fehleinschätzungen. So werden die Verhältnisse in Westafrika zur Zeit der großen Handelskompanien immer wieder so dargestellt, dass den Europäer die Täterrolle und den Afrikaner die Opferrolle zufällt, dieser Darstellung entsprechend werden Afrikaner beim Handel stets betrogen und lernen erst durch Europäer eine Sklavenhaltung kennen, welche diesen Namen auch verdient…

Zu beiden Punkten sei jedoch folgendes bemerkt: Da der Verfasser nicht zu Unrecht als Kenner europäischer Expansions- und Kolonialgeschichte gilt, geschieht es mehrfach, dass nach einigen Seiten solche – der ‚political correctnes‘ geschuldeten – Bemerkungen dann auch wieder durch Ausführungen quasi zurückgenommen werden, die einer weitaus komplexeren historischen Realität Rechnung tragen, wodurch der Text gelegentlich ein wenig ins Schwimmen gerät. So finden sich sowohl Passagen, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Gründung von Großfriedrichsburg, in denen das schon damals auf Unterdrückung, Übervorteilung und Ausbeutung ausgerichtete Verhalten der „neuen Kolonialherren“ betont wird, als auch solche, in denen – weitaus zutreffender – dem Leser nahegebracht wird, dass das Verhältnis zwischen Afrikanern und Europäern im 17. Jahrhundert in höherem Masse einer Partnerschaft und einem Vertragsverhältnis glich als der kolonialen Ausbeutung des Hochimperialismus.

Schließlich ist noch auf die Vernachlässigung der wirtschaftshistorischen Aspekte hinzuweisen. Durch das ganze Gerede vom Kolonialeroberungen und Kolonialbesitz gerät völlig in den Hintergrund, dass die BAC zuallererst als Handelsunternehmen gegründet worden war. Gerade im Zusammenhang mit den Niedergangsfaktoren fehlen – bedingt durch die Perspektive, die das Politische und Abenteuerliche vor das Wirtschaftliche stellt – wesentliche Faktoren wie die Konkurrenzlagen im Handel an der westafrikanischen Küste und auf dem Atlantischen Dreieck. Auch die völlig zutreffende Feststellung, dass chronischer Finanzmangel ein wesentlicher Geburtsfehler der Kompanie war, hätte in die ökonomischen Gesamtzusammenhänge eingeordnet werden müssen. Gleiches gilt für die eher marginale Stellung der Kompanie an der Goldküste und in der Karibik.

Ulrich van der Heydens Buch ‚Rote Adler an Afrikas Küste‘ ist und bleibt eine lohnende Lektüre. In vielen Punkten darf seine Studie als fundierter und auch weitreichender gelten als die allzu farbige Darstellung Steltzers von 1981. Für eine eventuelle dritte Auflage wäre eine intensivere Überarbeitung, um nicht zu sagen: Durcharbeitung, des gesamten darstellenden Textes, allerdings sicherlich anbracht.

Jürgen G. Nagel

httpge://www.sehepunkte.de/2001/02/3549.html

Dissertation:

Das Koloniale Experiment
Der Sklavenhandel Brandenburg-Preußens im transatlantischen Raum 1680-1718

http://d-nb.info/1036727564/34

Einleitung
Zu Beginn der Neuzeit befanden sich viele europäische Staaten an einem Scheideweg. Die Kreuzzüge, welche den Zweck hatten, das Heilige Land wieder unter abendländische Kontrolle zu bringen und die alten Handelswege nach dem Fernen Osten offen zu halten, waren gescheitert. Die traditionellen Mächte des mediterranen Raumes wie die Republik Venedig befanden sich im Niedergang. Dies machte ein Umdenken sowohl in militärischer als auch in wirtschaftlicher Hinsicht nötig. 1453 brachte die Eroberung Konstantinopels durch das Osmanische Reich einen herben Rückschlag für die europäischen Händler. Der Handelsweg über die alte Seidenstraße war nun versperrt, dadurch wurden die aus Asien nach Europa importierten Güter wie chinesische Seide und exotische Gewürze extrem verteuert1 . Die Portugiesen waren die ersten, die nach einer Lösung für dieses Problem suchten. Fortschritte in den Bereichen Schiffbau und Navigation ermöglichte es ihnen, die westafrikanischen Küsten für die europäische Schifffahrt zu erschließen. Als Christoph Columbus 1492 auf der Suche nach einem westlichen Seeweg nach Indien den amerikanischen Kontinent entdeckte, rückte auch dieser in den Fokus der europäischen Mächte. Die vermeintlich besitzlosen Länder wurden zuerst von Spanien okkupiert und konsequent ausgebeutet. 1493 teilte Papst Alexander IV. im Vertrag von Tordesillas den atlantischen Ozean in zwei Hälften. Die westliche Hälfte sollte Spanien gehören und beinhaltete den gerade entdeckten amerikanischen Kontinent. Die östliche Hälfte fiel an Portugal und beinhaltete die Küsten Westafrikas, den gesamten asiatischen Raum und den östlichen Teil Brasiliens. Diese willkürliche Einteilung der Welt in jeweils eine rein spanische und rein portugiesische Einflusszone blieb bei den anderen europäischen Mächten nicht unwidersprochen, so dass neben spanischen und portugiesischen Schiffen auch bald englische, niederländische und französische Schiffe auf dem atlantischen Ozean anzutreffen waren. Durch den sich nun im transatlantischen Raum entwickelnden regen Schiffsverkehr wurden Europa, Afrika, Amerika und Asien miteinander vernetzt, wobei gegenseitige Wechselwirkungen sowie Abhängigkeiten entstanden. Es entwickelte sich zwischen den Kontinenten erstmals ein geographisch vollständiges Weltwirtschaftssystem2 . Der wichtigste Faktor dieses Systems war der Handel mit menschlicher Arbeitskraft, für die sich mit den Plantagenkolonien Westindiens ein unersättlicher Markt entwickelte. Die Versorgung der Plantagenkolonien, vor allem denen in der Karibik, war die primäre Voraussetzung für die wirtschaftliche Nutzung der westindischen Kolonien. 1 Es ist anzunehmen, dass sich die Osmanen das lukrative Geschäft mit den Europäern nicht entgehen ließ, ungeachtet dessen dürfte aber auch dies zur erheblichen Verteuerung der Handelsgüte beigetragen haben. Dazu siehe Feldbauer, Peter: Vom Mittelmeer zum Atlantik. Die mittelalterlichen Anfänge der Europäischen Expansion, München 2001. 2 Braudel, Fernand: Sozialgeschichte des 15.-18. Jahrhunderts, 3 Bände, München 2001, hier: Band 3: Aufbruch zur Weltwirtschaft, S. 15ff. 7 Gleichzeitig ermöglichte dieser Handel den Zugang zu den spanischen Festlandkolonien und damit auch den Zugriff auf die Edelmetalle Amerikas. Afrika lieferte neben Gold und Elfenbein vor allem Menschen. Dabei traf die europäisch-amerikanische Nachfrage auf das afrikanische Angebot. Vor diesem Hintergrund fand eine der größten erzwungenen Migrationen der Geschichte der Menschheit statt. Vom 16. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden etwa 12 Mio. Schwarzafrikaner auf den amerikanischen Kontinent verschleppt. Das besondere Kennzeichen und zugleich auch der Unterschied zu anderen großen Migrationen ist der ökonomische Aspekt dieses erzwungenen Exports von Menschen. Im Vordergrund standen die handelspolitischen Interessen der europäischen Kaufmannschaften in Lissabon, Sevilla, Paris, London und Amsterdam, aus den überseeischen Territorien den größtmöglichen Profit zum Nutzen des jeweiligen europäischen Landes herauszuholen. Besiedelung und politische Durchdringung des afrikanischen Kontinents standen dabei noch nicht im Mittelpunkt der europäischen Interessen. Die Bevölkerung wurde lediglich als Abnehmer europäischer Fertigwaren und Lieferant der benötigten billigen Arbeitskräfte betrachtet. Der transatlantische Sklavenhandel und die Sklaverei in Amerika erreichten nun eine neue Qualitätsstufe im Vergleich zur antiken Sklaverei und zur historischen Sklaverei Afrikas. Sowohl im antiken Rom, in Arabien und in den Teilen Afrikas, in denen die Versklavung von Menschen gebräuchlich war, war der Sklavenstatus kein sozialer oder ethnischer Parameter, der Sklave blieb Mensch, aber nun wurde er auf ein rein dingliches Stück Inventar reduziert. In den Zucker produzierenden Kolonien in der Karibik war dieses System am stärksten ausgeprägt, dorthin wurden auch die meisten Sklaven geliefert. Es entstand ein fragiles soziales Gefüge, in dem eine Minorität europäischer Pflanzer einer Majorität afrikanischer Sklaven gegenüber stand. Die Sklaverei in der Karibik unterschied sich dabei von Anfang an von der Sklaverei auf den Festlandkolonien. Schwarzafrikaner wurden in der Karibik von Anfang an als Sklaven eingeführt, um die Zuckerproduktion so schnell und so billig wie möglich zu maximieren. Die europäischen Kolonisten entwickelten deshalb juristische und soziale Mechanismen, die dieses gewährleisten sollten. Dabei waren die Pflanzer von dem Unterwerfungswillen der Sklaven abhängig, denn diese konnten rebellieren, fliehen oder die Produktion sabotieren. Dafür konnten sie von den Pflanzern wiederum bestraft werden, was zur Folge hatte, dass alle an diesem System beteiligten bis zu einem gewissen Grad voneinander abhängig waren. Der ökonomische Nutzen aus der Sklavenarbeit in den Kolonien schuf den Bedarf, der durch den erzwungenen Transport afrikanischer Arbeiter aus ihrer Heimat gedeckt wurde. Dieser Bedarf von billiger Arbeitskraft wirkte sich nicht nur in Afrika und in der Neuen Welt, sondern auch in Europa aus. In Europa entstanden in vielen Ländern regelrechte Produktionszentren für Waren, die für den Handel mit afrikanischen Sklavenhändlern benötigt wurden. In Afrika waren viele Bewohner der Küstengebiete in den Sklavenhandel eingebunden, indem sie ihre Landsleute aus 8 dem Inneren des Kontinents verschleppten und somit dazu beitrugen, den Bedarf der Europäer zu decken. Dies taten sie nicht zuletzt auch, um sich selbst vor der Versklavung zu schützen. Im 17. Jahrhundert waren die erfolgreichsten europäischen Nationen im transatlantischen Sklavenhandel die Engländer und die Niederländer. Beide hatten große Handelskompanien gegründet, welche den Überseehandel organisierten und die Schiffsflotten zur Verfügung stellten. Ausgestattet mit umfangreichen Privilegien gelang es den Handelskompanien, sich eine regelrechte Monopolstellung im Überseehandel zu sichern. Insbesondere die niederländischen Handelskompanien galten bereits kurz nach ihrer Gründung als beispielhaft für ihre Organisation und ihre Effizienz. Doch der Wohlstand kam nicht nur durch den Umschlag der importierten Waren, auch die heimischen Wirtschaftssektoren erfuhren einen riesigen Aufschwung. Der Schiffbau florierte, und Manufakturen, welche die importierten Waren weiter verarbeiteten, gaben den Teilen der Bevölkerung, die ihren Lebensunterhalt nicht in der Landwirtschaft erwirtschafteten, Arbeit. Durch wirtschaftlichen und technischen Fortschritt erlebten die Niederlande einen bis dahin nie gekannten wirtschaftlichen Aufschwung. Es ist daher kaum verwunderlich, dass dieser Anstieg des Wohlstandes sowohl Neider als auch Nachahmer anzog. Angelockt von den zumeist enorm hohen Profitversprechen betätigten sich neben den bereits erwähnten Nationen auch die kleineren europäischen Mächte im transatlantischen Sklavenhandel. Gegen Ende des 17.Jahrhunderts waren die Marktanteile für einen erfolgreichen Handel jedoch weitgehend aufgeteilt, so dass es für Neulinge auf diesem internationalen Markt zunehmend schwieriger wurde, sich durchzusetzen. Einer dieser kleineren Markteilnehmer war das Kurfürstentum Brandenburg-Preußen3 .

weiter: http://d-nb.info/1036727564/34

Als die Preußen Sklavenhandel mit Menschen aus Ghana betrieben

Großfriedrichsburg

eine unkritische Betrachtung der Seite „Deutsche Schutzgebiete“

Brandenburgische Kolonie 1682-1717 – Markgrafschaft BrandenburgKurbrandenburgische Flotte

Groß-Friedrichsburg

Die Kolonisation des Großen Kurfürsten an der Westküste von Afrika. Die Kurbrandenburgische Flotte vor Groß-Friedrichsburg.

(Bild: Gezeigt werden die fürstlichen Kriegsschiffe „Kurprinz“ und „Morian“, Major Otto Friedrich von der Gröben (1657-1728)  und Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688))

Im Jahre 1682 sandte der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg die erste Expedition zur Gründung einer afrikanischen Kolonie aus. Sie wurde dem Kammerjunker Major Otto Friedrich von der Gröben (1657-1728) unterstellt und bestand aus den Schiffen „Churprinz“ mit 32 Geschützen und 60 Seeleuten unter Kapitän de Voß und „Mohrian“ mit 12 Geschützen und 40 Seeleuten unter Kapitän Blond. Zur Besatzung der Kolonie wurden mitgenommen die Ingenieure Walter und Leugeben, der Fähnrich von Selbing, 1 Sergant, 2 Korporale, 2 Spielleute und 40 „guthe gesunde Musquetiere von denen in Preußen stehenden Regimentern zu Fuße„.

Am 1. Januar 1683 hisste der Major von der Gröben bei dem Kap der drei Spitzen die brandenburgische Flagge mit dem roten Adler auf weißem Felde

Am 1. Januar 1683 hisste der Major von der Gröben bei dem Kap der drei Spitzen die brandenburgische Flagge mit dem roten Adler auf weißem Felde, legte den Grundstein zu der Feste Groß-Friedrichsburg und „schloss mit den Häuptlingen Schutzverträge“. 1683 und 1684 wurden weitere Verträge mit den Häuptlingen abgeschlossen zu denen ein 150 Meilen langer Küstenstreifen gegenüber den Kanarischen Inseln bis zum Senegal an der westafrikanischen Küste gehörte. Zahlreiche Forts wurden angelegt. Groß-Friedrichsburg, das aus mitgebrachten brandenburgischen Ziegeln erbaut wurde, erhielt eine Armierung von 44 Kanonen. Unter der Mannschaft befanden sich ausgesuchte Handwerker, Barbiere, Schneider, Tischler, Schuster, Zimmermeister, Büchsenmacher, Schmiede, Maurer, Bäcker und Böttcher.

Gehandelt wurde mit Sklaven, Gold, Elfenbein, Straußenfedern, Salz und Gummi. Zum Absatz der Sklaven pachtete Brandenburg Landbesitz auf der dänischen Insel St. Thomas in Westindien. Der Große Kurfürst schuf mit Blick auf die überseeischen Angelegenheiten in Berlin die oberste Marinebehörde die Admiralität und verlegte Kriegshafen und Sitz der Brandenburgisch-Afrikanischen Kompanie von Königsberg nach Emden. Es gelang dem Großen Kurfürsten aber nicht seine „krämerhafter kurzsichtigen Königsberger Kaufleute“ zur Aufnahme eines überseeischen Handels zu bewegen. Des weiteren bereiteten die See- und Kolonialmächte der Zeit England, Frankreich und Holland auch gewaltsame Widerstände, so verriegelten die die Engländer und Holländer die Nordsee, was sich entscheidend auswirkte. Bis zu seinem Tode kämpfte der Große Kurfürst für seine See- und Kolonialinteressen. Die letzte Parole, die er ausgab, lautete: „London und Amsterdam!“ Nach seinem Tod fand sich niemand, der das Doppelwerk Kriegsflotte und Kolonien verstand fortzuführen. Sein Sohn, der sparsame Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., verkaufte die afrikanischen Besitzungen 1717 für „7200 Dukaten und 12 Mohren“ an die Holländer, damit war die Geschichte aber noch nicht zu Ende:

Schon 1716 entschloss sich der letzte deutsche Vertreter in Groß-Friedrichsburg, Generaldirektor Dubois den Schutz der Festung dem Afrikaner Jan Cunny zu übertragen und in die Heimat zurückzukehren. Der hielt sich treu seinem dem König von Preußen geleisteten Eid. Als die Holländer mit einer Flotte vor der Festung erschienen, da verweigerte er die Übergabe mit der Bemerkung, er führe die Verwaltung im Namen des Königs in Preußen und wolle dies nur an preußische Schiffe bewerkstelligen. Hierauf griffen die Holländer die Festung an, doch wurden sie blutig zurückgeschlagen. Die Geschichte berichtet weiter, dass der Kampf noch Jahre angedauerte und den Holländern viele Menschen und viel Geld gekostet habe. Erst 1724 oder 1725 gelang es Jan Cunny zu vertreiben und der „unter Mitnahme der brandenburgischen Flagge im Urwald untertauchte„. Die Holländer nannten nun die Feste „Hollandia“, kümmerten sich bald danach nicht weiter um sie und überließen sie ihrem Schicksal.

 

Großfriedrichsburg

S.M.S. Sophie besucht die Ruinen von Groß-Friedrichsburg

S.M.S. Sophie besucht die Ruinen von Groß-Friedrichsburg

 

1884 besuchte das deutsches Kriegsschiff, die Korvette „Sophie„, also rund 200 Jahre nach der Gründung der Kolonie, die Gegend von Groß-Friedrichsburg. Der Kommandant des Schiffes und mehrere Offiziere ließen sich von den Einheimischen in der historischen Gegend führen, wo die Geschichte über Generationen weitergegeben war. Unter Schutt und Pflanzen fand man noch 6 alte Geschützrohre, eines davon nahm S.M.S. Sophie mit in die Heimat, wo es in der Ruhmeshalle zu Berlin ausgestellt wurde. Die Ruine der Feste „Groß-Friedrichsburg“ steht noch heute, ein massiver Festungsbau, mit Zinnen und Kanonen, einem Herrenhaus und Kasematten, nur wenige Autostunden von Accra, der Hauptstadtder Republik Ghana

S.M.S. Strassburg

S.M.S. Straßburg vor Großfriedrichsburg Afrika

 

Großfriedrichsburg

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