Badenerin berichtet von ihrer Ghana-Reise: „Für die Menschen in ihren Ländern Strukturen schaffen, die ihnen Hoffnung geben!“ Sonst sehen noch mehr ihre Zukunft nur in Europa! Riesige Einkaufszentren nach amerikanischem Vorbild gebaut werden, wohnen auf der anderen Seite viele Menschen in Lehmhütten und kochen, essen, schlafen auf dem Boden: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer

Corinna Höfinghoff plädiert für Hilfe in Ghana

Deutschland für viele ein Traum
29. Februar 2016
Während in den Städten Ghanas Einkausmeilen nach westlichem Vorbild entstehen, lebt die Bevölkerung am Land immer noch in einfachen Lehmhütten. Auf dem Bild zu sehen ist Helma Armbruster, die Corinna Höfinghoff auf ihrer Reise begleitet hat.
Nachdenklich kehrte die Renchenerin Corinna Höfinghoff von ihrer jüngsten, dreiwöchigen Ghana-Reise zurück. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird in dem afrikanischen Land immer größer.

Nach ihrer jüngsten Reise nach Ghana ist Corinna Höfinghoff einmal mehr überzeugt: Man müsse für die Menschen in ihren Ländern Strukturen schaffen, die ihnen Hoffnung geben, wolle man nicht, dass sich noch viel mehr – als für uns bisher vielleicht vorstellbar – auf den Weg nach Europa machen.

Ghana sei zwar ein Land, in dem das Leben noch besser sei, als in manch anderen afrikanischen Ländern, dennoch machte Höfinghoff auch dieses Mal eine neue Erfahrung: »Ein junger Ghanaer ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich ihn mit nach Deutschland nehme. Das ist ein Wunschtraum vieler.«

Immer noch Luxus

Lesen, Schreiben, Rechnen. Kindergarten, Schule, Berufsausbildung. Was für uns das Selbstverständlichste auf der Welt ist, ist für viele in Ghana immer noch Luxus, zugleich aber auch die Eintrittskarte in ein besseres Leben.

»Manchmal fehlt es nur an Wenigem, warum die Kinder nicht zur Schule bzw. in den Kindergarten gehen können«, sagt Höfinghoff und erzählt beispielhaft von ihren jüngsten Erlebnissen: So fehlten etwa einer Mutter 30 Euro für die Schuluniform ihrer Tochter, einer anderen Familie 5 Euro für die Schulbücher des Kindes. Mit den Spenden aus Renchen und der Umgebung konnte ihnen Höfinghoff auf rasche und auf unkomplizierte Weise helfen.

In Ghana werden viele Sprachen gesprochen. In Adaklu etwa Ewe, in Bawjiase Twi. Der Kindergarten, so berichtet Höfinghoff, sei deshalb so wichtig, weil man hier Englisch lerne. Die Voraussetzung, dass sich Menschen aus verschiedenen Gebieten verständigen können und natürlich auch, um eine weiterführende Schule besuchen zu können.

Auf ihrer jüngsten, dreiwöchigen Reise nach Bawjiase und Adaklu wurde sie von Helma Armbruster aus Appenweier begleitet. Die beiden Frauen haben Kinder besucht und in den Einrichtungen, die aus den Spenden des »Wirbelwind«-Projekts errichtet worden sind, nach dem Rechten geschaut. »Der Staat forciert weiter die Rückführung von Kindern aus den Heimen in die Familien«, berichtet Höfinghoff, was sie einerseits als gut für die Kinder betrachtet, weil diese in den Familien Geborgenheit finden, andererseits würden Sponsoren benötigt, weil die meisten Familien kein Geld für die Bildung ihrer Kinder hätten.

Alles, was die beiden Frauen auf ihrer Afrika-Reise erlebt haben, vermag Höfinghoff in dem Pressegespräch nicht wiederzugeben, nur ansatzweise und beispielhaft. Und so blickt sie auf einzelne Episoden zurück, etwa auf den Besuch des 16-jährigen Mädchens  Enisem mit den Wucherungen im Gesicht, dem sie Geld aus einer Plätzchenpack-Aktion der kleinen Linnéa aus Nußbach (wir berichteten) gebracht hat. Medikamente und einen Sturzhelm übergab sie dem 19-jährigen Godwin, der an Epilepsie leidet.

Als schönes Erlebnis verbucht sie einen Nachmittag, an dem sie und Helma Armbruster spontan einer alten Frau beim – körperlich anstrengenden – Maisdreschen geholfen hatten. Und zum Schmunzeln brachte sie der Besuch in einem »Fitnessstudio«. Dazu hatte sich Abalo unter Palmen und freien Himmel mit sehr viel Geschick und Einfallsreichtum Geräte nachgebaut, die er einmal bei einem Besuch in Deutschland gesehen hatte. »Die Menschen in Ghana sind sehr erfindungsreich«, so Höfinghoff, die Bilder von der Open-Air-Muckibude mitgebracht hat.

Neben diesem erheiternden Ausflug und einigen berührenden persönlichen Begegnungen habe sie die jüngste Reise aber vor allem nachdenklich gestimmt: »Vielen Landwirten bereitet die Trockenheit Probleme, sie haben kaum genug, um ihre Familien zu ernähren«, sagt sie und, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werde.

Keine Toilette

Während auf der einen Seite riesige Shopping-Malls nach amerikanischem Vorbild gebaut werden, wohnen auf der anderen Seite viele Menschen in Lehmhütten und kochen, essen, schlafen auf dem Boden und ganze Orte, wie etwa in Adaklu, verfügen über keine Toilette. »Der Straßenverkehr in den Städten kollabiert. Ghana hat außerdem ein enormes Müllproblem«, verweist Höfinghoff auf riesige Abfallberge und Gestank durch offene Kanäle, die mitten durch die Ortschaften verlaufen.

»Überall hier müsste man bei der Entwicklungshilfe ansetzen, um den Menschen die Perspektive auf ein besseres Leben in ihrer Heimat zu eröffnen«, ist die Renchenerin Höfinghoff überzeugt.

Autor:
Kerstin Handsteiner