Auch in Ghana: „Relative Bedeutungslosigkeit afrikanischer Zivilgesellschaften im Prozeß der demokratischen Transition und Konsolidierung“

Christina Seyd

Die Zivilgesellschaft in Ghana. Organisations-, Gestaltungs- und Politikfähigkeit ausgewählter ziviler Akteure (1957-1999)

Hamburg: Deutsches Übersee-Institut 2002 (Hamburger Beiträge zur Afrika-Kunde 69); II, 307 S.; 20,- €; ISBN 3-928049-81-X

Diss. Hamburg; Gutachter: R. Tetzlaff, L. Harding. – Die Autorin nimmt den afrikabezogenen zivilgesellschaftlichen Diskurs mit seinen unterschiedlichen und zum Teil widersprüchlichen Ansätzen zum Ausgangspunkt für ihre empirische Analyse zivilgesellschaftlicher Prozesse und Strukturen in Ghana. Am Beispiel von drei Verbänden, der Anwaltskammer, dem Christenrat und dem Journalistenverband, zeichnet Seyd die jeweilige Entwicklungsgeschichte nach, untersucht neben den verbandsinternen Strukturen die Fähigkeit dieser Akteure, die Hegemonieansprüche der vorangegangenen autoritären Regime zu begrenzen und fragt nach deren Einfluss auf den jüngsten demokratischen Systemwechsel von 1993, der zur Gründung der 4. Republik führte. Im Ergebnis zeigt sich, dass es allen drei Verbänden nicht gelungen ist, „die oppositionellen Energien in ihren eigenen Reihen, geschweige denn im gesellschaftlichen Umfeld effektiv zu bündeln. Ihre politische Relevanz erweist sich also nicht an der Demokratisierung autoritärer Regime, sondern daran, daß sie den Legitimationsverfall eines auf dem Exklusionsprinzip basierenden Etatismus indizieren und vor diesem Hintergrund reale Partizipation als Ideal einklagen.“ (246 f.) Damit bestätigen die Befunde die allgemein festzustellende „relative Bedeutungslosigkeit afrikanischer Zivilgesellschaften im Prozeß der demokratischen Transition und Konsolidierung“ (247). Die Arbeit konzentriert sich auf die Untersuchung der drei Verbände im Kontext der zuvor differenziert dargestellten zivilgesellschaftlichen Theorieansätze. Land und Akteure scheinen dabei beliebig gewählt und austauschbar. Ein einführendes Kapitel zur politischen Geschichte und soziokulturellen Entwicklung Ghanas oder eine Einordnung der drei Beispielakteure in den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang hätten der Arbeit einen höheren Erkenntnisgewinn vor allem für speziell an Ghana Interessierte verliehen.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.

Rubrizierung: 2.67 | 2.22Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Christina Seyd: Die Zivilgesellschaft in Ghana. Hamburg: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/18355-die-zivilgesellschaft-in-ghana_21250, veröffentlicht am 01.01.2006.

Blick ins Buch: https://books.google.de/books?id=odhSvo-aEcoC&pg=PP1&lpg=PP1&dq=Seyd+die+Zivilgesellschaft&source=bl&ots=nBEaCAPd5f&sig=0ILJj9Vy2K8hwRlnHEAgofVy8nU&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwihzMnmuq7LAhXjIJoKHcpYDs4Q6AEIODAE#v=onepage&q=Seyd%20die%20Zivilgesellschaft&f=false

Ghanas Zivilgesellschaft entwickelt kommunikative Macht

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Die ghanaische Zivilgesellschaft – Bericht in diesem Buch

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