Tausende Kinder atmen auf Elektromüllhalden in Afrika giftige Gase ein – In Ghana und Nigeria werden demnach Afrikas größte Halden für illegal verbrachten Müll unterhalten, gefolgt von der Elfenbeinküste und der Demokratischen Republik Kongo: Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im April: „Die meisten bei uns in Europa ausrangierten Elektronikgeräte kommen hierher – auch aus Deutschland, legal und illegal.” Bis zu 20 000 Kinder sollen auf Halden wie jener bei Accra arbeiten und aus Elektroschrott seltene Metalle und andere wiederverwertbare Bestandteile herausholen und dabei giftigen Dämpfen ausgesetzt sein.

UN fordern Kampf gegen illegalen Elektroschrott

12.05.2015 Tausende Kinder atmen auf Elektromüllhalden in Afrika giftige Gase ein. Kriminelle Geschäftemacher verdienen an den Abfällen Milliarden. UN-Experten fordern mehr Maßnahmen gegen illegale Müllexporte.

Männer arbeiten am Stadtrand von Accra, der Hauptstadt von Ghana, auf einer Müllhalde aus Elektroschrott. Foto: Kay Nietfeld/ArchivMänner arbeiten am Stadtrand von Accra, der Hauptstadt von Ghana, auf einer Müllhalde aus Elektroschrott.Foto: Kay Nietfeld/Archiv
Genf. Mit der illegalen Entsorgung von Elektroschrott vor allem in Afrika und Asien werden nach UN-Angaben weltweit immer größere Geschäfte gemacht.

Auf bis zu 19 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) pro Jahr schätzt das UN-Umweltprogramm (Unep) den Wertumfang der Verschiffung und Ausschlachtung von ausgedienten Computern, Fernsehern, Handys oder anderen Elektronikprodukten unter Umgehung bestehender Vorschriften.

„Bis zu 90 Prozent des jährlichen weltweiten Elektromülls werden illegal gehandelt oder entsorgt”, klagt Unep in einem in Genf veröffentlichten Bericht. Zugleich werde der „globale Müllberg” immer größer: Spätestens bis 2017 dürfte nach Unep-Schätzungen die von der Elektronik-Industrie jährlich verursachte Müllmenge von derzeit 41 Millionen auf rund 50 Millionen Tonnen anwachsen.

„Wir sind konfrontiert mit der Entstehung eines beispiellosen Tsunamis aus Elektroschrotts”, erklärte Unep-Direktor Achim Steiner zur Veröffentlichung des Berichts „Waste Crimes, Waste Risks” („Müll-Verbrechen, Müll-Gefahren”). „Das ist nicht einfach nur ein großer Teil des nicht recycelbaren Müllbergs der Welt, sondern birgt wegen der giftigen Bestandteile auch Gefahren für die Gesundheit und die Umwelt.”

Die Hauptziele für legale wie auch illegale Exporte von Elektroschrott sind Unep zufolge Länder in Afrika und Asien. In Ghana und Nigeria werden demnach Afrikas größte Halden für illegal verbrachten Müll unterhalten, gefolgt von der Elfenbeinküste und der Demokratischen Republik Kongo. In Asien werde „E-Waste” unter anderem in China, Indien, Pakistan und Bangladesch auf oft illegale Weise entsorgt.

Erst kürzlich hatte sich auch die Bundesregierung mit dem Problem der Elektroschrott-Entsorgung befasst. Bei der Besichtigung einer der weltweit größten Elektro-Müllhalden am Rande der ghanaischen Hauptstadt Accra sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im April: „Die meisten bei uns in Europa ausrangierten Elektronikgeräte kommen hierher – auch aus Deutschland, legal und illegal.”

Bis zu 20 000 Kinder sollen auf Halden wie jener bei Accra arbeiten und aus Elektroschrott seltene Metalle und andere wiederverwertbare Bestandteile herausholen und dabei giftigen Dämpfen ausgesetzt sein. Müller rief zur Schließung etwaiger Schlupflöcher bei der Entsorgung durch die Elektronik-Industrie auf.

In dem Unep-Bericht heißt es, der Export giftiger Abfälle aus EU-Staaten in Entwicklungsländer sei zwar untersagt, jedoch gebe es immer wieder Betrugsfälle. So würden Tausende Tonnen an gefährlichem Elektronikschrott bei der Ausfuhr falsch deklariert und zum Beispiel Batterien als Plastik- oder Mischmetallmüll exportiert.

Die UN-Organisation appellierte an alle Staaten, die Einhaltung von Verboten zu erzwingen. Dazu seien strengere Kontrollen erforderlich. Auch Regelungen zur kostenlosen Rückgabe von Alt-Elektronik an zur legalen Entsorgung verpflichtete Händler und Hersteller könnten helfen, Gefahren durch Elektroschrott zu reduzieren.

http://www.fnp.de/nachrichten/panorama/UN-nbsp-fordern-Kampf-gegen-illegalen-Elektroschrott;art46558,1397817

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Ghana ist »weder hoffnungsloser Fall noch Aufstiegswunder«- Trotz Wachstum gibt es überall Armut und Unterentwicklung. Die Oberschicht, darunter Geschäftsleute, hohe Beamte und einige höhere traditionelle Chiefs, residiert in ausladenden Villen in den rasant zunehmenden »gated communities«. Ihre Kinder studieren in den USA oder Großbritannien. Die Arbeitslosigkeit in der rasch wachsenden jungen Bevölkerung ist hoch und der weitaus größte Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung ist im informellen Sektor beschäftigt. Krankheit führt schnell zu Beschäftigungs- und Einkommensverlust.

Ghana I: »Halb arm, halb reich«

von Maria Tekülve

Ghana: Erfolgreich, aber die Armut besteht fort

Das westafrikanische Ghana steht politisch, wirtschaftlich und auch hinsichtlich der Armutsbekämpfung relativ gut da. Seit wenigen Jahren erfüllt es den Status eines »Landes mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich«. Die Einkommensspreizung ist geringer als in den USA. Gleichzeitig leben viele Menschen unter äußerst prekären Bedingungen.

Die letzten ghanaischen Parlamentswahlen 2012 wurden international als frei und fair eingestuft. Im Ibrahim Index 2013 zu Regierungsführung in Afrika belegt das Land den guten siebten Rang von 52 Staaten. Die zuletzt zweistelligen Wachstumsraten werden für die kommenden Jahre mit etwa sieben Prozent prognostiziert. »No Longer Poor«, titelt eine Studie des Center for Global Development bereits. Tatsächlich stieg das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen nach Angaben der Weltbank von knapp 400 US-Dollar in den 1980er Jahren auf heute knapp 2.000 Dollar. Die Lebenserwartung liegt nun bei 65 Jahren. Lebte 1992 noch die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, so waren es 2006 »nur« noch 28 Prozent, die weniger als 1,25 Dollar pro Tag zur Verfügung hatten. Ghana und die internationale Gemeinschaft gehen insgesamt von einem weiteren Rückgang der Armut aus, wobei Disparitäten zwischen Nord und Süd, Land und Stadt sowie innerstädtischen Differenzierungen bestehen bleiben bzw. sich vergrößern werden.

Auch die Mittelschicht wächst. Je nach Definition umfasst sie laut Afrikanischer Entwicklungsbank 20 bis 47 Prozent der Bevölkerung. Im Alltag ist dies erkennbar am zunehmenden Auto- und Motorradverkehr, dem allgegenwärtigen Bauboom oder der wachsenden Verbreitung von Telefonen, Kühlschränken und Fernsehern. Die Geschäftigkeit in den Metropolen, insbesondere im reicheren Süden mit Greater Accra und der boomenden Zwillingsstadt Sekondi-Takoradi, ist nicht zu übersehen. Aber auch Städte im ärmeren Norden, darunter Wa und Tamale, strotzen vor Lebendigkeit.

Wo bleibt die Entwicklung?

Dennoch fragen sich viele GhanaerInnen: »Wo bleibt die Entwicklung?« Denn, so der Autor einer Zeitungskolumne im Daily Graphic: Trotz Wachstum – egal, wohin im Land er schaue, er sehe Armut und Unterentwicklung. Selbstkritisch konstatierte Präsident John Dramani Mahama 2013 in der Parlamentsrede zum aktuellen Haushaltsjahr: »Wir können als Nation nicht Erfolg haben, wenn wir halb arm und halb reich sind.« Ghana steht mit diesem Phänomen, der Gleichzeitigkeit von Wachstum und persistenter Armut, nicht alleine da. Das Land belegt nach UN-Angaben heute auf der Rangliste der »menschlichen Entwicklung« nur Rang 135 von 186.

Um sich von der weiter verbreiteten Armut in Ghana zu überzeugen, reicht bereits ein Gang durch die dicht besiedelten Viertel Accras mit stinkenden Abwasserkanälen; oder durch die unzähligen maroden Fischerdörfer an verunreinigten Stränden; oder ein Blick auf die vernachlässigten Dörfer an kaum passierbaren Sandwegen. An Accras Kreuzungen drängen sich BettlerInnen und StraßenverkäuferInnen, darunter Frauen mit Babys auf den Rücken und schweren Lasten auf dem Kopf, die den Tag über in brütender Hitze bei beißenden Abgasen schuften. Kinder und Jugendliche schlachten in den Randvierteln, in Rauchschwaden verbrennenden Plastiks gehüllt, den Elektroschrott der reichen Länder aus (vgl. den folgenden Artikel). In einem als »Sodom und Gomorra« bezeichneten Slumviertel leben Menschen, oft Zugewanderte, buchstäblich auf Kloaken.

Die Wirtschaftsstruktur bleibt notorisch fehlentwickelt. Der Landwirtschaftssektor dümpelt mit alten Methoden und vernachlässigter Infrastruktur vor sich hin. Die Abhängigkeit von den Weltrohstoffmärkten und ihren schwankenden Preisen für die Hauptexportprodukte Gold und Kakao ist unvermindert groß. Zwar ist der Anteil der Industrie am Bruttosozialprodukt seit 1987 von 16 Prozent um ein gutes Drittel auf 27 Prozent gestiegen. Aber der Anteil der verarbeitenden Industrie sank von zehn auf heute sieben Prozent. Im gleichen Zeitraum nahm die Landwirtschaft von 51 auf 23 Prozent ab, während Dienstleistungen von 33 auf 50 Prozent stiegen. Produkte wie Kakao oder Obst werden unverarbeitet in die Welt verschifft, die Wertschöpfung erfolgt in Übersee. Importe aus aller Welt dominieren selbst in kleinen Läden. Tomatenmark, das jeder Haushalt täglich verzehrt, kommt aus Italien und China, obwohl Tomaten überall in Ghana wachsen. Hähnchen aus Europa sind billiger und ansehnlicher verpackt als das lokale Geflügel. Saft von Orangen und Mangos stammt aus Südafrika und Österreich, obwohl sie lokal im Überfluss vorhanden sind.

Auch die Korruption wirft Schatten auf Ghanas Wirtschaft und Gesellschaft. Laut Transparency International liegt Ghana im Korruptionswahrnehmungsindex auf Rang 61 von 178 Ländern (zum Vergleich: Italien 69). Es spricht für die Regierung, die Rechnungshöfe und die Pressefreiheit, dass Fälle der so genannten »großen Korruption« (etwa der »Wyome-Case« 2012) Gegenstand heftiger öffentlicher und parlamentarischer Debatten sind. Für die Bevölkerung präsenter ist indes die »kleine Korruption«. Ohne die so genannten »fees« für öffentliche Dienste läuft nichts. Geschichten, wo eine Frau erst nach Zahlung von »tips« Hilfe bei der Entbindung bekommt, oder Polizisten am Straßenrand ein kleines »gift« als Weihnachtsbeitrag fordern, sind alltäglich.

Am unteren Ende

Statistisch bewegt sich die sozioökonomische Ungleichverteilung in Ghana laut dem World Fact Book mit einem Gini-Koeffizienten  von rund 40 im globalen Mittelfeld. Die Gesellschaft ist somit egalitärer als etwa in Südafrika oder den USA. Im Alltag zeigen die GhanaerInnen – unabhängig von der Schichtzugehörigkeit – eine ausgeprägte nationale Identität mit gegenseitiger Toleranz der verschiedenen Ethnien und Religionen.

Zugleich ist die Gesellschaft aber deutlich nach sozialen Schichten stratifiziert. Die Oberschicht, darunter Geschäftsleute, hohe Beamte und einige höhere traditionelle Chiefs, residiert in ausladenden Villen in den rasant zunehmenden »gated communities«. Ihre Kinder studieren in den USA oder Großbritannien. Die Mittelschicht lebt in Häusern am günstigeren Stadtrand. Die Unterschicht ist in sich noch einmal deutlich stratifiziert: Von Menschen, die als selbstständige Bäuerinnen und Bauern, Handwerker, Kioskbesitzer oder als angestellte FriseurInnen und Torwächter ein bescheidenes Leben knapp über dem Existenzminimum führen, bis zu den unzähligen StraßenverkäuferInnen in maroden Behausungen. Ihre Kinder besuchen weitgehend kostenfreie öffentliche Schulen – wo sie aber kaum das Einmaleins erlernen. Am untersten Ende der Skala stehen die Schrottsammler, Träger, Prostituierten und TagelöhnerInnen, einige von ihnen MigrantInnen aus Togo und der Elfenbeinküste, die der Willkür ihrer jeweiligen Herrschaften ausgeliefert sind.

Angesichts dieser Bedingungen sind dem Lohndumping kaum Grenzen gesetzt. Die Regierung hat 2012 die untere Lohngrenze auf umgerechnet 2,30 Euro pro Tag festgesetzt. Sie wird jedoch häufig unterschritten. So warb die internationale Firma Sunset Beach Resort im »Ghana Business & Finance« unverblümt mit der Schlagzeile »Investieren Sie in einen Badeort – mit Tageslöhnen von nur einem Dollar« um InvestorInnen.

Die Arbeitslosigkeit in der rasch wachsenden jungen Bevölkerung ist hoch und der weitaus größte Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung ist im informellen Sektor beschäftigt. Entsprechend ist nur ein Bruchteil durch das holprig – aber immerhin – im Aufbau befindliche staatliche Rentensystem SSNIT versichert. Die Mehrheit muss sich auf sich selbst und die Familie verlassen – die auch in Ghana nicht perfekt funktioniert. Krankheit führt schnell zu Beschäftigungs- und Einkommensverlust. Übliche Mietvorauszahlungen von einem Jahr führen zu Verschuldung mit hohen Zinsen. Alleinerziehende Mütter warten vergeblich auf Alimente der Väter. Die prekären Verhältnisse stellen sich in vielen Schattierungen dar.

Übertriebene Erwartungen

Nachdem der Status »Lower Middle Income Country« statistisch erreicht ist, strebt die Regierung in der kommenden Dekade den Status eines »Full Middle Income Country« an. Damit einher geht das explizite Ziel, die derzeit absolut noch beachtliche Entwicklungshilfe zu reduzieren. Dank zunehmender Eigeneinnahmen durch Exporte und Steuern sank deren relativer Anteil am Gesamthaushalt in den letzten Jahren auf unter fünf Prozent. Kommerzielle Kredite und zinsgünstige Darlehen gewinnen im Vergleich zu Zuschüssen an Bedeutung.

Zudem erweitert Ghana seine bereits guten Beziehungen zu den »neuen« globalen Mächten, allen voran China, das Kredite in Milliardenhöhe bereithält, aber auch zu Südkorea, Indien, Brasilien oder der Türkei, mit denen rege Handelsbeziehungen bestehen. Das Verhältnis zu Deutschland ist ebenfalls aktiv. Regelmäßig finden gegenseitige Besuche auf hoher politischer Ebene statt, jährlich werden Handelsmessen in Accra abgehalten und das Niveau an Entwicklungszusammenarbeit ist mit über 50 Millionen Euro pro Jahr an zinsvergünstigten Darlehen und Zuschüssen hoch.

Ghanas Wachstumsprognosen sind insgesamt positiv, die Armutsraten sinken. Aber die Hochglanzstatistiken führen im Inland und Ausland zu übertriebenen, kontraproduktiven Erwartungen. Ghana ist, wie der Entwicklungsökonom Robert Kappel dies für eine Reihe afrikanischer Länder beobachtete, »weder hoffnungsloser Fall noch Aufstiegswunder«. Strukturell bleiben eine Reihe von Unwägbarkeiten und Herausforderungen. Der Weg zum »Full Middle Income Country« ist kein Selbstläufer, ebenso wenig eine breite Armutsreduzierung. Ein differenzierter, armutsorientierter Ansatz wird erforderlich sein, um prioritär die Armut und unsicheren Lebensverhältnisse zu reduzieren.

 

Literatur

African Development Bank Group (2011): The Middle of the Pyramid: Dynamics of the Middle Class in Africa. AfDB Market Brief, http://www.afdb.org

Robert Kappel (2013): Afrika: weder hoffnungsloser Fall noch Aufstiegswunder. Giga-Fokus Nr.9. http://www.giga-hamburg.de/giga-focus

Carola Lentz/ Godwin Kornes (2011): Staatsinszenierung, Erinnerungsmarathon und Volksfest: Afrika feiert 50 Jahre Unabhängigkeit. Frankfurt

Henning Melber (2013): Nicht Neues aus Afrika. Der Zusammenhang von Rohstoffreichtum und Armut. In: iz3w 336, S. D12-D13

Todd Moss/ Stephanie Majerowicz (2012): No longer Poor: Ghana’s New Income Status and Implications of Graduation from IDA. Center for Global Development. ww.cgdev.org

Ministry of Finance and Economic Development: http://www.mofep.gov.gh

World Bank (2011): Republic of Ghana. Tackling Poverty in Northern Ghana

 

Maria Tekülve ist Mitarbeiterin des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie lebte in Sambia, Südafrika und zuletzt in Ghana. Der Artikel gibt ihre persönliche Meinung wieder.

https://www.iz3w.org/zeitschrift/ausgaben/342_tuerkei/ghana

ARMUTSFORSCHUNG IN DER NÖRDLICHEN REGION GHANAS

Armut ist eine starre Realität in Ghana, speziell im nördlichen Teil des Landes. Statistiken aus der „Ghana Living Standards“ Umfrage (2007) zeigen, dass 18,2% der ghanaischen Bevölkerung als „extrem arm“ gelten und sich daher nicht einmal ihre Grundnahrungsmittel leisten können. Das Phänomen der Armut wird speziell in den abgelegenen Dörfern im Norden noch ernster und lebensbedrohender wahrgenommen als anderswo, da Armut hier vermehrt anzutreffen ist. Nach Daten des ghanaischen Amts für Statistik (2004) ist der Norden eine der drei ärmsten Regionen in Ghana mit sieben von zehn Menschen, die unter der Armutsgrenze leben. Ländliche Armut grenzt an viele weitere Themenbereiche, wie Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Generierung von Einkommen, und vielen anderen, an.

 

Im Einklang mit der Verpflichtung der Einhaltung der Millenium Development Goals bis zum Jahr 2015 (insbesondere die Armutsreduktion) entwarf die ghanaische Regierung 2007 ihre Strategie zum sozialen Schutz (National Social Protection Strategy) mit der Strategie „Lebensunterhalt Empowerment gegen Armut“ (LEAP) als Sprungbrett. Nach fünf Jahren der Umsetzung als Pilotprojekt konnte jedoch keine signifikante Verringerung der Armut in den umsetzenden Regionen festgestellt werden. Diese Studie liefert eine empirische Auswertung des LEAP Programmes der Regierung Ghanas, das als soziale Schutzmaßnahme gegen die hohe Armutsrate, die speziell im Norden des Landes herrscht, entwickelt wurde.

http://www.braveaurora.com/Pages/de/Projekt-Guabuliga/Ueberblick/Armut-in-Ghana/Armut-in-Ghana.aspx

In den 80er-Jahren wurde der Kakaoanbau aufgrund restriktiver Vorgaben des Weltwährungsfonds und der Weltbank intensiviert und industrialisiert. Dies führte zur massenhaften Entlassung von Arbeitskräften und durch das erhöhte Angebot sanken die Weltmarktpreise. Für die armen Landarbeiter in Ghana bedeuten die sinkenden Weltmarktpreise Arbeitslosigkeit, viele Tausend Ghanaer sind wegen der dramatischen Einkommensverluste einfach verhungert!

Bild Zerstörung

Kaffee & Kakao

„Kaffee trinken“ ist für viele Millionen Menschen das Synonym um eine Pause zu machen (Kaffeepause). Kaffee ist (nicht nur) in Deutschland das beliebteste Getränk. Pro Kopf kommen wir jährlich auf 164 Liter. Das ist fast doppelt so viel wie wir an Erfrischungsgetränken oder Mineral- und Quellwasser zu uns nehmen. Was für die Erwachsenen der Kaffee ist, ist für die Kinder der Kakao. Die Kakaobohne ist der Grundstoff für die Produktion von Schokolade.

Für uns Deutsche ist Kakao eine überaus wichtige Frucht, wir sind nach den Schweizern, Vizeweltmeister im Konsum von Schokolade (8,8 kg pro Kopf; Zahlen von 1995). Haben der Kaffee- und Kakaoanbau in den Tropenländern eine ähnlich segensreiche Wirkung wie der Genuß von Schokolade und Kaffee bei uns?

Preisverfall

80 Prozent der weltweit 25 Millionen Kaffeefarmer sind Kleinbauern, die unter ihren Produktionskosten von 80 bis 90 US-Cent pro Pfund arbeiten. Im Oktober 2004 wird ein Pfund Rohkaffee an internationalen Warenbörsen für 60 US-Cent gehandelt.

Nein. Der afrikanische Staat Ghana beispielsweise bestreitet 70 Prozent seiner Exporterlöse mit Kakao und beschäftigt(e) mehr als 600.000 Familien in diesem Bereich. In den 80er-Jahren wurde der Kakaoanbau aufgrund restriktiver Vorgaben des Weltwährungsfonds und der Weltbank intensiviert und industrialisiert. Dies führte zur massenhaften Entlassung von Arbeitskräften und durch das erhöhte Angebot sanken die Weltmarktpreise.

Für die armen Landarbeiter in Ghana bedeuten die sinkenden Weltmarktpreise Arbeitslosigkeit, viele Tausend Ghanaer sind wegen der dramatischen Einkommensverluste einfach verhungert!

Egal ob Kaffee, Kakao oder andere landwirtschaftliche Produkte aus armen Ländern: sinken die Weltmarktpreise, dann sind zuerst die Plantagenarbeiter in den produzierenden Ländern betroffen. Geringere Löhne und Kinderarbeit sind die Folge. Auf Sisal-, Kaffee-, oder Kakaoplantagen, die für unseren Bedarf produzieren, häufen sich die Fälle von Kindersklaverei.

Umgekehrt entwickelt sich die Situation in den Abnehmerländern: Musste ein Industriearbeiter 1958 noch vier Stunden für ein Pfund Kaffee arbeiten, sind es heute noch 20 Minuten!

(Quelle: Werkstatt Materialien: Das erste Ma(h)l von Jürgen Wolters und Tammy Chang)

http://www.faszination-regenwald.de/info-center/zerstoerung/kaffee-kakao.htm

Kritischer Blick aus der Schweiz auf rohstoffexportierende Länder und mangelnde Teilhabe der Bevölkerungen

Rohstoffhandel

Rohstoffe sind von grundlegender Bedeutung für die Weltwirtschaft und von zunehmender politischer Brisanz. Viele ressourcenreiche Länder bleiben trotz Bodenschätzen arm und leiden häufig unter …»

Rückblick von der Weltkakao-Konferenz: Gute Absichten ohne Plan

Rückblick von der Weltkakao-Konferenz: Gute Absichten ohne Plan

11. Juli 2014 — Vom 9.-13. Juni 2014 fand in Amsterdam die zweite Weltkakaokonferenz statt. Dort wurde erneut bestätigt, dass es mittelfristig zu Kakao-Engpässen am Markt kommen wird, wenn jetzt keine Gegenmassnahmen …»

Neuer globaler Rohstoff-Standard beschleunigt Transparenz-Trend

22. Mai 2013 — Die globaleTransparenzbewegung gewinnt weiter an Fahrt. So umfasst die heute in Sydney unterzeichnete Reform der „Extractive Industries Transparency Initiative“ (EITI) neben Zahlungsströmen aus der …»

GV-Aktion: Faire Riesen-Schoggi soll Lindt auf die Sprüngli helfen

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Cocoa Barometer 2012: Drohende Versorgungslücke für Industrie wurzelt in Verarmung von Westafrikas Kleinbauernfamilien

5. Dezember 2012 — Dass Kakaobauernfamilien in der Elfenbeinküste und Ghana deutlich unter der Armutsgrenze leben, ist eine wichtige Ursache von missbräuchlicher Kinderarbeit wie auch der absehbaren Rohstoffengpässe der …»

Schoggi-Umfrage: Schweizer Firmen bleiben Antworten schuldig, fordern an Kakao-Weltkonferenz in Westafrika aber mehr Nachhaltigkeit

20. November 2012 — Mitte Oktober verschickte die EvB an 19 Schweizer Schokoladeproduzenten Fragebögen zum Thema Beschaffungspolitik mit Fokus auf Arbeits- und Menschenrechte. Bis zur Deadline blieben über die Hälfte der …»

Globale Kakao-Industrie versagt: Kinder- und Zwangsarbeit bleiben die Regel

16. September 2011 — 2001 verpflichtete sich die globale Schokoladenindustrie in einem Sechs-Punkte-Plan dazu, den schlimmsten Formen von Kinder-und Zwangsarbeit in der Kakao-Produktion ein Ende zu setzen. Zehn Jahre …»

Neue Studie zeigt: Kinderarbeit auf Kakaofarmen bleibt Riesenproblem

5. Oktober 2010 — Zwangsarbeit von und Menschenhandel mit Kindern bleiben bittere Bestandteile unserer süssen Schoggi. Der eben erschienene Bericht der Tulane-University belegt die schlimmsten Formen von Kinderarbeit …»

EvB-Umfrage zeigt: Nestlé schweigt und übrige Schweizer Schoggi-Firmen verstecken sich hinter Vorzeigeprojekten

21. Juni 2010 — Die letztjährige Osterkampagne der Erklärung von Bern (EvB) hat die Schweizer Schokoladeproduzenten aufgerüttelt: 10 von 18 Firmen haben unseren neuen Fragebogen zu Nachhaltigkeit und sozialer …»

Ein unverfälschter Blick auf fremde Kulturen

31. August 2001 — Im Frühling 2001 hat die BAOBAB-Kinderbuchreihe von Nagel & Kimche zu ATLANTIS verlag pro juventute gewechselt. In der Reihe des Kinderbuchfonds BAOBAB in Basel erscheint seit 1989 Kinder- und …»

The political challenge will come and the parties had better get prepared to listen.But the political challenge will come and the parties had better get prepared to listen.

 Jerome Kuseh

Jerome Kuseh

Independent financial and research analyst | Digital media executive | Accountant | Political Commentator

Corbyn’s victory has drawn comparisons with the recent successes of left-wing parties like Podemos in Spain and Syriza in Greece. He has already been compared with the independent democratic socialist, Bernie Sanders, who has surged past Hilary Clinton in polls in New Hampshire and Iowa. Young people have played a big part in the surges of these anti-establishment parties and candidates, leading some commentators (like Blair) to attribute the rise to idealism that would prove inadequate to win major victories.

It is true that young people (globally) are largely disillusioned by establishment parties and candidates and are therefore drawn to those who speak up against a system which appears to favour banks and the wealthy against the majority of the people. The argument goes that disillusionment will not keep driving people to the polls. It will do the opposite. However, I am convinced that not only will this enthusiasm continue but that it will be enough to build establishment parties who would truly represent the people. I feel it is the beginning of a new kind of politics.

Inequality globally has worsened. The UN reports:

while income inequality between countries may have been reduced, inequality within countries has risen. There is growing consensus that economic growth is not sufficient to reduce poverty if it is not inclusive and if it does not involve the three dimensions of sustainable development – economic, social and environmental.

study by researchers from Princeton showed that government policies in the USA  represent the wishes of wealthy individuals and business organisations and that the ordinary citizen has “little or no influence on policy at all”. I do not know about similar studies elsewhere but if this is any thing to go by, then citizens are going to feel unrepresented by establishment parties for the foreseeable future. This will continue to help anti-establishment parties and candidates.

Information has become more available and it has become more possible for alternative views on politics and economics to be heard.  For the left, the works of several prominent economists like nobel laureates Paul Krugman and Joseph Stiglitz, Thomas Piketty, Simon Wren-Lewis and several others that dismissed austerity as an ineffective and harmful policy have formed a credible basis for their challenge of current economic orthodoxy. The fact that the conservative IMF has admitted to their mistake in their belief in austerity has not only made the left’s economic thinking the mainstream, but it is also shifting the right’s view to the fringes and making it look like an ideological position which is being clung to despite the evidence against it.

The coming into prominence of such economic thinking also provides the ideological basis for the new left. Corbyn’s economic policies, dubbed Corbynomics, is developed largely by the respected tax reform campaigner, Richard Murphy and has beenendorsed by over 40 leading economists.  Accusations of old style communism are easily dismissed by pointing to the work of prominent economists in this era. Accusations of wanting economies like the old Soviet Union can be dismissed by pointing to the success of the Nordic model.

The final reason why I believe the rise of the left is not a flash in the pan is the increasing adoption of leftist economic policies by the far right such as the True Finns of Finland, National Front of France, Donald Trump and so on.  If parties far to the right of the establishment right prefer leftist economic policies, then the centre right becomes a weaker force. Political expediency would force them to compromise.

As a Ghanaian watching the events in global politics, I cannot help but think of the effects they will have here. In a country in which the underemployment rate is 33% and 69% of the working population are in vulnerable employment (full stats here) there has been a commitment to reducing the government’s spending on public sector wages without commensurate efforts to ensure employment for a young and fast growing population. There has so far been little political challenge to the goal of reducing public expenditure at the expense of decent livelihoods for the people. This is because of distrust of government spending, the country’s need of donor support in a time when commodity prices are down and especially the adoption of neoliberal economic policies by both the ruling party and the main opposition. I do not expect an immediate change in Ghana politics even if the global economic opinion tilts to the left. But the political challenge will come and the parties had better get prepared to listen.
Employment Statistics in Ghana by Jerome Kuseh